Verzaubert: Riga als Hauptstadt des Jugendstils

Verzaubert: Riga als Hauptstadt des Jugendstils
Das Schwarhäupterhaus und die Petrikirche am Marktplatz.

Das Schwarhäupterhaus und die Petrikirche am Marktplatz in der Altstadt.

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 5

Von Klaipeda in Litauen geht es auf in die nächste Hauptstadt im Baltikum: Riga, die mit Abstand größte Stadt in Lettland. Ein Minibus bringt mich, für nur wenige Euros, an mein Ziel. Die Fahrt verläuft unspektakulär, wenn man von den Überholmanövern des Fahrers auf der vereisten Autobahn absieht. Als ich am Abend in Riga ankomme ist es schon stockdunkel. Doch auf meinem Weg vom Hauptbahnhof zur Kunstakademie, wo ich meine Couchsurfer-Gastgeberin treffe, erahne ich schon die Schönheit der Stadt.
Am nächsten Morgen nach einem kleinen Frühstück mit meinen Gastgebern, einem jungen Pärchen, zeigen sie mir die Bushaltestelle von der ich aus der Vorstadt ins Zentrum komme. Sie geben mir noch einen Geheimtipp mit auf den Weg, ich solle versuchen ins oberste Stockwerk vom Radisson-Hotel kommen, dort hätte man einen prima Ausblick auf die Stadt. Also ist mein erstes Ziel am Morgen ein grauer Betonklotz. Ich betrete die schicke Eingangshalle und gehe zu den Fahrstühlen. Ich tippe auf den Knopf für das oberste Stockwerk. Oben angekommen, stelle ich fest, dass ich noch gar nicht ganz oben bin und gehe über das Treppenhaus weiter nach oben. Ob man das darf, frage ich mich. Niemand ist hier, außer mir. Aber bestimmt bestimmt werde ich durch die Kameras schon vom Wachdienst beobachtet. Ich beeile mich und komme im obersten Stockwerk an. Etwas außer Atem stehe ich vor einer Tür. Ich mache sie auf und vor mir ist das Panorama-Restaurant. Ich bin die einzige Person hier und könnte jetzt gemütlich die Bar leertrinken. Mach ich aber nicht, denn mein Blick wandert sofort weiter zu den Panoramafenstern. Was die bieten ist eigentlich noch viel interessanter als die verlassene Hotelbar.
Vor mir sehe ich Riga im vormittaglichen Dunst, Nebel, Smog oder was auch immer die Stadt gerade so schön leicht verhüllt. Der Fernsehturm in der Ferne und die Kirchtürme in der Nähe erheben sich aus diesem Dunst. Es hat etwas magisches, dieser Anblick. Gut das ich schon so früh aufgestanden bin. Nach einigen Fotos und wieder erlangtem Atem, gehe ich den gleichen Weg wieder zurück. Selbst in der Lobby werde ich nicht angesprochen. Alles gut gegangen. Dann geht es hinein in die Innenstadt.
Vorbei am Unabhängigkeitsdenkmal und der Deutschen Botschaft, die sich in einem wunderschönen Jugendstilhaus befindet, gehe ich in die Altstadt. Viele Giebelhäuser befinden sich hier, man sieht diesem Teil deutlich an, dass die Stadt mal eine florierende Hansestadt war. Heute ist sie die größte Stadt im Baltikum. Nachdem ich alle Sehenswürdigkeiten abgelaufen bin, gehe ich am Nachmittag in die Neustadt, dorthin wo sich die größte Ansammlung von Häusern im Jugendstil befindet. Es gibt sogar ein Jugendstil-Museum, in dem eine Wohnung komplett im Stil der Zeit eingerichtet ist. Leider habe ich dafür keine Zeit. Dafür schaue ich mir viele schöne Häuser an. Ich mag diesen Stil, mit seinen vielen kleinen Details, den Gesichtern und Blumen an den Fassaden. Viele Botschaften befinden sich in diesen repräsentativen Häusern. Es war der Vater von Sergej Eisenstein, dem Regisseur von „Panzerkreuzer Potemkin“, der hier viele Häuser gestaltete. Zu Recht hat diese Stadt den Status eines UNESCO-Weltkulturerbes. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Riga aus einer Altstadt im Zentrum und einer Neustadt drumherum besteht. Weiter draußen gibt es Plattenbausiedlungen, in diesen wohnt auch mein Gastgeberpaar. Die Rigaer hatten großes Glück, dass ihre Stadt die Deutschen und die Sowjets so gut überstanden hat.

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