Tag Archives: Weißrussland

Ausflug in die Provinz: Schloss Mir

Ausflug in die Provinz: Schloss Mir

Etwa 100 Kilometer von Minsk entfernt liegt die Kleinstadt Mir. Am Rande dieser Stadt befindet sich das Schloss Mir aus dem 16. Jahrhundert. Seit dem Jahr 2000 ist das Schloss UNESCO-Weltkulturerbe. Am Samstag habe ich mit einigen Gaststudenten aus Jena dorthin einen Ausflug gemacht. Mehrere Busse fahren täglich von Minsk aus dorthin, von daher ist die (vermutlich) größte Attraktion von Belarus relativ gut zu erreichen. Das Schloss ziert so gut wie sämtliche vorhandene Reiseführer und ist eine der sehr wenigen Burgen/Schlösser im Land. Hier einige fotografische Eindrücke von der Stadt und dem Schloss.

Alles was man braucht.

Alles was man braucht: Produkty, Vino, Vodka.

So habe ich als Kind auch Burgen gemalt.

So habe ich als Kind auch Burgen gemalt.

Mittelalterliche Fußbodendekoration.

Mittelalterliche Fußbodendekoration.

Blick von der Schlossmauer auf die Stadt Mir.

Blick von der Schlossmauer auf die Stadt Mir.

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Getroffen: Die belarussische Opposition an der Dönerbude in Vilnius

Getroffen: Die belarussische Opposition an der Dönerbude in Vilnius
Der Marktplatz von Vilnius. Foto: Jan-Henrik Wiebe

Der Marktplatz von Vilnius. Foto: Jan-Henrik Wiebe

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 1

Früh morgens geht es von Minsk nach Vilnius. Die Zugfahrt dauert gerade mal knapp drei Stunden, doch zwischen den beiden Städten scheinen Welten zu liegen. Auf der einen Seite Minsk: Eine eher graue Stadt die im Stalinstil erbaut wurde, in einem Land das als politisch unfrei beschrieben werden könnte, mit seinem langjährigen Präsidenten Alexander Lukaschenko. Das Stadtbild wird von vielen Soldaten und Polizisten geprägt. Die Häuser sind eher hoch und eine wirkliche Altstadt gibt es nicht, denn die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig von den Deutschen zerstört.

Auf der anderen Seite Vilnius: Die Stadt mit seinen über 50 Kirchen wird auch als „Rom des Ostens“ bezeichnet und hat den Namen mehr als verdient, wie ich später feststellen werde. Read the rest of this entry

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Untergrundsprache Belarussisch

Untergrundsprache Belarussisch
Wird bald nicht mehr gebraucht: Wörterbuch Belarussisch-Russisch

Wird bald nicht mehr gebraucht: Wörterbuch Belarussisch-Russisch.

Als ich in Belarus angekommen war, herrschte bei mir große Verwirrung. Was ist jetzt Belarussisch und was ist Russich? Mal wird etwas in der einen, mal in der anderen Sprache geschrieben. Inzwischen hat sich diese Verwirrung gelegt. Belarussisch wird nur bei Straßennamen, Bussen und U-Bahnstationen verwendet. Es ist quasi eine Untergrundsprache, denn fast nirgendwo sonst findet man Hinweise darauf, dass die eigentliche Sprache in diesem Land Belarussisch ist. In den Geschäften, Banken und Restaurants wird überall alles auf Russisch geschrieben. Auf der Straße wird ebenso nur Russisch gesprochen, wer Belarussisch spricht fällt auf, besonders den vielen Polizisten auf den Straßen.

Eine Sprache des Untergrund ist sie auch deshalb, weil viele der Oppositionellen sie benutzen, schon allein aus trotz gegen Lukaschenko der kein Belarussisch in der Öffentlichkeit spricht. Der einzige Minister im Kabinett der noch diese scheinbar zum aussterben verdammte Sprache spricht, ist der Kulturminister. Ob die Sprache überleben wird, hängt jedoch von der breiten Masse der Bevölkerung ab. Da die jedoch größtenteils Russisch spricht, kann von einem Linguizid, also von einem bewusst herbeigeführten Tod der Sprache, eigentlich keine Rede sein.

Die U-Bahn-Sprache Belarussich ist nur noch ein Feigenblatt in der Öffentlichkeit, dass den wenigen Sprechern der Sprache zeigen soll: Seht her, wir machen doch was für den Erhalt der Sprache. Diesen Eindruck habe ich auch an meiner Fakultät gehabt, wo alle Räume und Fakultäten auf Belarussisch geschrieben werden, bis ich diese Woche am Dienstag tatsächlich eine Veranstaltung auf Belarussisch erwischt hatte. Die Vorlesung über die “Geschichte der Außenpolitik der Republik Belarus” wurde tatsächlich in dieser toten Sprache gehalten. Ich war wieder verwirrt, denn auf dem großen Vorlesungsplan im Foyer wurde auch diese Veranstaltung selbstverständlich auf Russisch angekündigt. Viel verstanden habe ich nicht von der Vorlesung, selbst wenn sie auf Russisch gewesen wäre. In der Vorlesung war es laut, die meisten Kommilitonen waren offensichtlich entweder nicht am Thema interessiert oder verstanden nicht, beziehungsweise nicht alles was der Professor erzählte. Für viele war das Smartphone oder das Gespräch mit dem Nachbarn interessanter als die Geschichte der Außenpolitik ihres Landes. Eigentlich traurig. Anschließend fragte ich den Professor wann die Prüfung sei und ob er mir Literatur zum Thema empfehlen könne. Doch er riet mir ab daran teilzunehmen, denn auch die Abschlussprüfung wird auf Belarussisch sein.
Vermutlich wird es dem Belarussischen so gehen wie dem Ruthenischen, seinem Vorgänger. Irgendwann ganz verschwinden. Aber wen stört das schon? Für mich ist es bequemer Russisch zu sprechen, da ich es schon halbwegs kann, und für den Rest der Bevölkerung ja anscheinend auch.

Да пабачэння беларуская мова! / Tschüß belarussische Sprache!

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Medien in Belarus: Magazine

Medien in Belarus: Magazine

Nachdem ich vor zwei Monaten schon belarussische Tageszeitungen vorgestellt habe (Teil 1, 2), will ich nun zwei Magazine vorstellen, die es nur in Belarus gibt und kein Ableger vom russischen Original sind. Viele der Magazine die es in Belarus zu kaufen gibt, kommen eigentlich aus Russland.

Большой

Das mir vorliegende Exemplar ist die Ausgabe vom Oktober 2012. Auf dem Titel befindet sich nichts außer eine Zeichnung von Michael Jackson als er noch jung war und schwarze Haut hatte. Das Bolschoi Magazin versteht sich als Stadtmagazin für Minsk. Seine Zielgruppe sind gebildete Bürger die sich Luxusartikel leisten können. Ähnlich wie in deutschen Lifestylemagazinen gibt es hier Werbung für teure Autos, Parfüm, Uhren und andere Luxusartikel. Die Artikel sind in russischer Sprache geschrieben.

Zu Beginn sind einige kurze gekaufte Reklame-Artikel, die leider auch nicht als Werbung gekennzeichnet sind. Aber dieses Problem gibt es in Deutschland ja auch bei vielen Lifestyle-Magazinen und besonders bei Stadtmagazinen. Natürlich dürfen auch Seiten mit den neusten Gadgets nicht fehlen. Auch Kolumnen sind im Heft zu finden, sogar sehr weit vorne. Im mittleren Teil des Magazins sind mehrere Interviews, unter anderem mit einem russischen Journalisten, einem iranischen Professor und einem belarussischen Künstler. Danach kommen noch ein paar Seiten über Mode. Ganz am Schluss kommen noch ein paar Seiten, auf denen Menschen in ihren Wohnungen und einige Einrichtungsgegenstände abgebildet sind. Sie erinnern ein wenig an die Bilder von freundevonfreunden.com, nur das es keine Berliner Designer sind, deren Wohnungen gezeigt werden, sondern einfache Menschen aus Minsk.

Insgesamt ist das Magazin vom Design her von ziemlich guter Qualität. Man merkt, dass die Blattmacher sich viele Gedanken über die Gestaltung gemacht haben. Auch die Themenauswahl ist interessant. Das Bolshoi Magazin könnte von der Aufmachung her auch ein deutsches Stadtmagazin sein. Leider habe ich keine bedeutenden innovativen Ansätze finden, sowohl beim Design als auch bei den Themen.

yoga+life

Die mir vorliegende Ausgabe aus dem November 2012 ist 130 Seiten stark, kostet etwa 2,10€ und enthält nur wenige Seiten über Yoga, dafür aber eine Menge über Leben. Im Vergleich zu Magazinen in Deutschland aus dieser Sparte, enthält yoga+life sehr sehr wenig Werbung. Auch deutsche Firmen werben im Magazin, dazu gehören: Audi, VW und Weleda. Zielgruppe dürften Verbraucher zwischen 25 und 50 Jahren sein, die eher vermögend sind, auf eine gesunde Ernährung achten und ein wenig alternativ aber trotzdem chic sind. Neben Yoga-Stellungen gibt es eine Reportage über eine Seifenherstellerin, Kochtipps, eine Reportage aus Nepal mit vielen schönen Fotos und eine Interviewreihe mit Partymenschen. Außerdem gibt es die unvermeidlichen Buch-, Alben- und Filrezensionen im Heft zu finden. Das Design ist sehr übersichtlich und gut. Auf Grund der sehr vielen Fotos lässt sich das Magazin sehr schnell durchblättern. Schade, denn das Magazin hat eigentlich Potenzial vielleicht auch mal eine gute investigative Reportage über das eigene Land aufzunehmen, so wie es Günter Wallraff macht.

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Minsk in der Nacht

Minsk in der Nacht

Wer in der Nacht durch Minsk spaziert, könnte den Eindruck bekommen, dass es an Strom nicht mangelt. Denn viele Häuser werden in der Nacht beleuchtet. Dies macht die Stadt um noch einiges schöner, als sie sowieso schon (zumindest im Zentrum) ist. Hier ein paar Eindrücke von einer nächtlichen Fototour durch das erleuchtete Minsk. Leider konnte ich nicht noch mehr Fotos machen, da es bei -15°C nicht sehr angenehm ist sich draußen aufzuhalten, deshalb habe ich erst mal die größten Sehenswürdigkeiten fotografiert.

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Ich lese das, was kaum einer liest – Medien in Belarus: Zeitungen (Teil 2)

Ich lese das, was kaum einer liest – Medien in Belarus: Zeitungen (Teil 2)

Fortsetzung von Teil 1

Аргументы и Факты

Die belarussische Ausgabe der Wochenzeitschrift „Argumente und Fakten“ kostet etwa 0,31€. Das ist sehr günstig für eine Zeitung die 48 Seiten umfasst, auch für belarussische Verhältnisse. Aufmacher der von mir gekauften Ausgabe ist die Geschichte der Minsker Metro. Nicht gerade ein Knüller, doch hier ist es üblich viel über die Vergangenheit zu schreiben. Viele andere Zeitungen haben ebenfalls einen festen Platz für Artikel über geschichtliche Ereignisse. Entweder scheint es die Menschen hier sehr zu interessieren oder den Journalisten fällt nichts besseres ein, bzw. die Sachen die sie gerne schreiben würden sind mit einem Risiko verbunden.

Das Layout der AiF hebt sich nicht sehr viel von normalen Tageszeitungen ab, nur die Qualität ist besser.

Insgesamt ist die Zeitung journalistisch anspruchsvoller gemacht. Weitere Themen im Blatt sind: Doping bei Chinas Olympioniken, Armut in Belarus, ein belarussischer Segler-Pionier, Bio-Lebensmittel in Belarus sowie ein Artikel über das Leben im Studentenwohnheim. Auf der letzten Seite werden Fragen von Lesern zu meist kuriosen Fotos aus aller Welt beantwortet. Auf den acht Seiten davor gibt es vermischtes über Geschichte, Frauenprobleme und Kreuzworträtsel in der Rubrik „Freizeit“. Große Politik findet sich auch hier nirgends.

Наша Нiва

Wirklich politische Themen lassen sich erst im Wochenblatt Nascha Niwa finden, was so viel bedeutet wie „Unsere Flur“. Das Blatt das für 0,37€ zu haben ist, schreibt ausschließlich auf belarussisch. Gleich neben dem Titel der Zeitung steht in roter Farbe umrahmt: „Unabhängige Zeitung“. Aufmacher ist ein Artikel mit der ironischen Überschrift „Lukaschenko mon amour“. Darunter ist ein schwarzer Block in dem „500$ Coming soon…“ steht, was auf den vom Präsidenten versprochenen Durchschnittslohn von 500$ anspielt. Viele weitere politische Themen lassen sich im Heft finden, unter anderem über Dissidenten. Auf der Kulturseite werden, ähnlich wie in Deutschland, verschiedene Themen besprochen, die eher eine gehobene Bürgerschicht ansprechen. Sehr interessant scheint auch eine Reportage eines Minsker Studenten, der im Iran war. Da ich aber belarussisch fast gar nicht verstehe, kann ich sie leider nicht lesen. Immerhin habe ich hier eine Zeitung mit einem anständigen Politikteil gefunden. Jetzt muss ich nur noch belarussisch verstehen können…

Nachdem ich ich so viele Zeitungen gelesen habe, hoffe ich, dass ich einen ganz ganz nachrichtenarmen Tag erwischt habe, an dem rein gar nichts im Land passiert ist: keine Politik gemacht wurde, keine Stars und Sternchen etwas gemacht oder erlebt haben über das der Boulevard berichten könnte, im Land kein Sport getrieben wurde und keine kulturellen Ereignisse passiert sind. Dann hätten die Zeitungen den Tag ganz passabel überstanden.

Doch Spaß beiseite. Das kaum jemand Zeitung liest, trotz der niedrigen Preise, ist kein Wunder bei so einer Qualität. Über das Ausland wird fast gar nicht berichtet und auch große Inlandsreportagen waren nicht zu finden. Stattdessen werden die Zeitungen mit Rätseln, Artikeln über geschichtliche Ereignisse und belanglosen Rezepttipps gefüllt. Nur eine einzige der von mir gekauften Zeitungen hat überhaupt in ihren Artikeln regelmäßig Links zu ihrer Homepage eingebaut, ein Trend der sich in Deutschland inzwischen auch bei Lokalzeitungen durchsetzt.

Gegen das Zeitungssterben hier in Belarus ist das in Deutschland eine ganz andere Liga, denn hier in Belarus ist noch viel Platz nach oben auf der Qualitätsskala. Die Frage ist nur, wann sie genutzt wird. Nur wenige Zeitungen wie die Nascha Niwa oder die Prawda machen ein wenig Hoffnung, dass es in Belarus doch noch gute Zeitungsmacher gibt.

Was haltet ihr, die schon in Belarus ward oder seid, von den Zeitungen? Haben sie noch eine Zukunft?

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Ich lese das, was kaum einer liest – Medien in Belarus: Zeitungen

Ich lese das, was kaum einer liest – Medien in Belarus: Zeitungen

Die lange Suche im Regal für Zeitschriften und Magazine in einem großen Supermarkt ruft Ernüchterung bei mir hervor. Gesucht hatte ich ein Magazin das sich hauptsächlich mit Politik auseinandersetzt, am besten noch mit der Politik in Belarus. Als Medienmensch und Politikwissenschaftsstudent bin ich sehr enttäuscht. Was ich sehe, sind viele Wirtschaftsmagazine, hauptsächlich aus Russland. Doch ein Magazin, ähnlich wie in Deutschland der Spigel oder Stern, suche ich vergeblich. Wirtschafts-, Fitness-, Sport- und Musikmagazine scheinen den Markt zu dominieren. Außerdem gibt es noch einige Frauenmagazine. Wer sich über die politische Situation des Landes unabhängig informieren will, muss im Internet suchen, doch selbst da ist der Markt für Politikseiten recht übersichtlich. Die Gründe dafür sind vermutlich sehr unterschiedlich. Einerseits ist die belarussische Gesellschaft eher desinteressiert an politischen Themen, zum anderen gibt es staatliche Repressionen gegen Journalisten und Medien.

Auch der Zeitungsmarkt ist sehr übersichtlich. Er teilt sich in staatliche und private Zeitungen. Einige der staatlichen Zeitungen werden zum 1. Januar geschlossen, beziehungsweise mit anderen Redaktionen zusammengelegt. Der Grund: Sie werden immer weniger gekauft. Auf der anderen Seite gibt es die privaten Zeitungen wie Argumenty i Fakty, Komsomolskaja Prawda und Nascha Niwa. Die höchste Auflage hat, laut Wikipedia, die russische Boulevardzeitung Komsomolskaja Prawda.

Um mir einen Überblick zu verschaffen betrete ich einen Zeitschriftenladen, davon gibt es nicht sehr viele, denn Zeitungen werden meistens an kleinen Kiosken verkauft, die es aber an fast jeder Ecke gibt.

Ich schaue mir zuerst sämtliche Titel an, gehe um den viereckigen Zeitungsständer herum und bemerke eine Aufteilung in staatliche Zeitungen auf der einen Seite und private Zeitungen auf der nächsten. Auf den anderen Seite sind, säuberlich getrennt, Sportzeitungen und im letzten Viertel Zeitungen mit Anzeigen und Rätseln. Viele sind sehr günstig. Keine kostet mehr als 0,35€. Wochenzeitungen sind ein wenig teurer, aber auch dicker. Die Tageszeitungen haben, im Vergleich zu deutschen, nur sehr wenige Seiten.

Hier nun ein paar Kurzrezensionen einiger von mir erworbener Zeitungen:

Комсомольская Правда

Sie war früher zur Sowjetzeit die offizielle Zeitung des Komsomol, also der Jugendorganisation der KpdSU. Heute ist das in Belarus ca. 0,32€ kostende Blatt eine russische Boulevardzeitung mit mehreren Ablegern, unter anderem in Belarus. Noch heute sind sowjetische Embleme im Titel der Zeitung. Im Vergleich zu deutschen Boulevardzeitungen ist die Prawda aber noch sehr brav. Sowohl vom Inhalt als auch vom Layout. Wirklich typische Boulevardthemen sind erst ab der Mitte im Blatt zu finden. Aufmacher ist, am Tag an dem ich mir eine Ausgabe gekauft habe, ein Artikel über Schülerlotsen in Minsk. Auf den Seiten 8-9 ist ein großer Vergleich der Mensen in der Stadt, es werden Preise und Angebote verglichen. Das Layout auf diesen beiden Seiten ist wirklich gelungen, im Gegensatz zum Rest der Zeitung, das zwar nicht schlecht ist, aber kein echter Boulevard. Auch die inhaltliche Aufteilung wird dem Anspruch boulevardesk zu sein nicht wirklich gerecht. Nur zwei Seiten sind von insgesamt 24 Seiten dem Sport gewidmet. Immerhin wird das Internet einbezogen, bei sehr vielen Artikeln gibt es Links zu Videos oder mehr Fotos auf der Homepage.

Беларусь Сегодня

Die 16 Seiten umfassende Zeitung wird vom Präsidentenpalast herausgegeben. Sie hat die größte Auflage für eine staatliche Zeitung und ist komplett in Farbe, das Papier ist deutlich besser als das der anderen Blätter. Das Layout ist übersichtlich und gut gestaltet. Jedoch wirkt alles wie mit Microsoft Word gelayoutet und manche Seiten sind überladen, in der journalistischen Fachsprache bezeichnet man solche Seiten als Bleiwüsten. Gleich auf der zweiten Seite gibt es die neusten Nachrichten aus dem Präsidentenpalast. Aufmacher sind die Gehälter von Arbeitern sowie die Unabhängigkeitsbewegungen in Schottland und Katalonien.

Etwas vollkommen neues für deutsche Zeitungsleser wären die zwei Seiten der Rubrik „Damen-Club“. Diese behandeln spezielle „Frauenthemen“ und enthalten zum Beispiel ein Portrait der Schauspielerin Halle Berry oder einen Artikel über das Briefe schreiben.

Eine der angesprochenen Bleiwüsten sind die beiden Seite 8-9 in der Mitte, dort befindet sich ein Interview, das nur mit einem Bild illustriert ist. Außer dem Bild, der Überschrift und einem Teaser bestehen die restlichen 80% der zwei Seiten nur aus Text. Noch nicht mal hervorgehobene Zitate lockern das Bild auf. Bei einer Zeitung, die augenscheinlich ansonsten keinen großen intellektuellen Anspruch an die Leser hat, werden diese beiden Seiten vermutlich meist gleich überblättert. Eine Kultur- und eine Sportseite gibt es auch. Wobei von richtigem Feuilleton kaum die Rede sein kann. Größter Artikel auf der Kulturseite ist ein Interview mit dem Clown im staatlichen Zirkus.

Народная Газета

Dieses Blättchen ist die vermutlich mit Abstand qualitativ schlechteste unter den verkauften Tageszeitungen. Sie ist das offizielle Organ der Kommunistischen Partei und kostet nur unschlagbar günstige 0,11€. Doch eigentlich ist es Papierverschwendung, selbst wenn es nur 16 Seiten sind. Aufmacher sind am 28.11., als ich meinen großen Zeitungsvergleich startete, ein Artikel über Soldaten und ihr Leben sowie ein weiterer Artikel über „Menschen und Maschinen“. Ein Artikel über Männer wie sie im Wald Bäume fällen. Immerhin sind die Titelseite und die letzte Seite ordentlich gelayoutet, der Rest dazwischen ist noch nicht mal schön anzusehen, mal ganz vom Inhalt abgesehen.

Народная Воля

Die auf belarussisch und russisch erscheinende Zeitung ist die größte unabhängige Tageszeitung auf belarussisch. Vom Layout ähnelt sie ein wenig der Süddeutschen Zeitung und ist daher recht übersichtlich und gut zu lesen. Lediglich die Farbe fehlt. Vermutlich aus Kostengründen wird die Zeitung nur in schwarz und pink gedruckt, denn Anzeigen gibt es in der mir vorliegenden Ausgaben gar keine. In pinker Farbe werden der Titel und auf einigen Seiten die Rubriken gedruckt. Aufmachung und Themen sind ähnlich wie bei deutschen Zeitungen. Der einzige auffällige Unterschied ist ein sehr langes halbseitiges Gedicht in der Rubrik „Spiegel“.

Свободные Новости плюс

In der Ausgabe vom 4.12. ist der Aufmacher ein Artikel über den langjährigen Präsidenten Lukaschenko. Der Artikel wurde jedoch nicht selber geschrieben, sondern von der Internetplattform www.naviny.by übernommen. Von anderen Seiten im Internet etwas zu übenehmen (egal ob gefragt oder ungefragt) ist durchaus üblich in Belarus. In der ganzen Zeitung ist keine einzige Werbung zu finden, dies hängt damit zusammen, dass sich Unternehmen meist nicht trauen bei eher oppositionellen unabhängigen Zeitungen zu werben. Die Zeitung beschäftigt sich größtenteils mit politischen Themen.

Teil 2 und Fazit

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Eine Wahl ohne Wahl und Wahlkampf

Eine Wahl ohne Wahl und Wahlkampf

Wie eine graue Suppe hängen die Wolken über Minsk. Es regnet nicht. Immerhin. Aber ein schöner Tag ist es auch nicht. Dieser Samstag, ein Tag vor der Wahl des Parlamentes. Dabei hat diese eigentlich schon längst begonnen. Laut tagesschau.de wurden in manchen Wahllokalen sogar schon mehr als 50 Prozent der Stimmen abgegeben. Auch hier in Minsk in meiner Straße befindet sich in einem Wohnheim ein Wahllokal in dem seit dem 18. September gewählt wird. Viele Soldaten in Uniform seien schon wählen gegangen, sagt eine Studentin die in dem Wohnheim wohnt. Besonders diese lange Vorwahlzeit wird von der Opposition kritisiert. Diese Praxis würde genug Zeit bieten um Wahlzettel zu fälschen.

Ob dies überhaupt nötig ist, ist eine andere Frage. Denn fast alle der wenigen zugelassenen Oppositionskandidaten haben inzwischen ihre Kandidatur zurückgezogen. Sie wollen nicht als Feigenblatt für eine „freie Wahl“ dienen, sagen sie. Seit zehn Jahren ist das Parlament schon ohne Opposition, bestätigt fleißig Gesetze des langjährigen Präsidenten Lukaschenko und hat eigentlich auch keine politische Bedeutung.

Deshalb verläuft das Leben an diesem Samstag vor der Wahl wie jeder andere auch. Menschen heiraten und fahren anschließend in buntgeschmückten Limousinen durch die Stadt oder gehen einkaufen.

Als ich heute Mittag in einem Pizza-Restaurant essen ging, waren alle Tische belegt. Zum Glück wurde bald einer frei. Viele der anderen Restaurantbesucher um mich herum waren gekleidet wie die typische Mittelschicht. Nicht sehr schick, aber keinesfalls arm. Ob sie wählen gehen, fragte ich mich. Ob sie schon wissen welchen Kandidaten sie wählen sollten? Oder ist ihnen das alles egal und sie machen ihr Kreuz bei dem Kandidaten der am besten gekleidet ist?

Dabei würde es durchaus Sinn machen nicht zur Wahl zu gehen, denn es gibt eine Hürde von 50 Prozent. Nur dann kann die Wahl gewertet werden, andernfalls muss sie wiederholt werden. Es wäre eine große Niederlage für die derzeitigen Politiker, die zur Zeit recht unbeliebt sind. Im Umkehrschluss genießt die Opposition auch kein hohes Vertrauen. Sie gilt als zerstritten und unorganisiert. Kein Wunder, bei 18 Jahren Unterdrückung.

Ein wirklicher Wahlkampf findet eh nicht statt. An den Türen von Supermärkten hängen offizielle Plakate auf denen alle Kandidaten abgebildet sind. Auf großen Plakatwänden in der Innenstadt und auf kleinen in der U-Bahn sowie in manchen Geschäften wird auf die Wahl hingewisen. Kandidaten- oder Parteienwerbung findet sich nirgends. Es ist ein Phänomen, wie sich die Wähler, ohne etwas über die Kandidaten wirklich zu wissen, dann für einen von ihnen entscheiden können.

Falls nicht doch noch ein Wunder geschieht, werden morgen wieder hohe Beteiligungswerte an der Wahl verkündet, kein einziger Oppositionskandidat wird es ins Parlament geschafft haben und die Wahl wird von den OSZE-Beobachtern als unfrei eingestuft.

Ob das die Menschen hier interessiert? Ich weiß es nicht. Denn eigentlich ist das Parlament eh unwichtig, viel wichtiger sind die Präsidentenwahlen.

Deshalb wird das Leben hier weitergehen, die Menschen werden heute Abend ins Kino oder ins Theater gehen, wer es sich leisten kann schaut sich Placebo in der Minsk-Arena an (Karten kosten 30 bis 70 Euro) und morgen werden vereinzelt kleine Proteste sein, die von der Polizei vermutlich schnell mit Gewalt beendet werden. Journalisten die versuchen davon zu berichten, werden wie vor ein paar Tagen ebenfalls geschlagen und gleich mitgenommen. Zur Revolution wird es jedenfalls nicht kommen. Dafür geht es der Wirtschaft und den Menschen, die zwar mit einer hohen Inflation kämpfen, (noch) zu gut.

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Minsk in schwarz-weiß

Minsk in schwarz-weiß

Am Samstag habe ich einen Spaziergang gemacht und dabei einige Fotos gemacht. Hier nun eine kleine Auswahl.

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Ich habe einen Wohnheimplatz

Ich habe einen Wohnheimplatz

Endlich weiß ich wo ich wohnen werde. Ich werde in Wohnheim Nr. 2 in der Octjaborskaya Straße 2 wohnen. Von außen sieht es zumindest nicht viel anders aus als ein Wohnheim bei uns in Jena. Das 1975 errichtete Gebäude wurde 2004 renoviert und hat unter anderem einen Aufenthaltsraum, einen Sportraum und einen Videoraum. Ich weiß allerdings immer noch nicht ob ich in einem Mehrbett- oder Einzelzimmer wohnen werde. Ich lasse mich überraschen.

In diesem Gebäude sind auch die anderen Austauschstudenten untergebracht.

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