Category Archives: Unterwegs

Gefolgt: Auf den Spuren meiner Ahnen in Lviv

Gefolgt: Auf den Spuren meiner Ahnen in Lviv

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 14 (letzter Teil)

Eigentlich wollte ich nur drei Nächte in Lviv/Lvov/Lemberg, der Stadt mit den vielen Namen, bleiben. Doch der Zufall wollte es so, dass ich noch eine Nacht länger bleibe, denn nach Minsk fahren nicht an jedem Tag Direktzüge. Die ersten beiden Nächte verbrachte ich im Apartment vom Bruder einer Bekannten, die ich ebenfalls von einem Seminar aus Berlin kannte. Die anderen beiden Nächte verbrachte ich in einem Hostel mitten in der Innenstadt.
Dass ich nach Lviv komme, ist kein Zufall. Es ist für mich auch eine Art Reise in die Vergangenheit. Meine Oma und Uroma kommen aus Galizien, der Region um die Stadt. Dort am Rande der Karpaten wechselten die Herrscher öfters, als anderswo in Europa. Mal waren die Österreicher an der Macht, mal die Polen oder Ukrainer. Im 18. Jahrhundert kamen dann viele aus der Pfalz stammenden Familien nach Galizien und gründeten dort deutsche Siedlungen. Sie waren meist Protestanten die sich außerhalb des katholischen Einflussgebietes mehr religiöse Freiheit erhofften. Vor allem aber bekamen sie dort kostenlos Land, welches viel größer war als das was sie in der Pfalz besaßen. Wegen des Hitler-Stalin-Paktes wurden sie nach Polen umgesiedelt, wo vorher polnische Bauern vertrieben wurden. Am Ende des Zweiten Weltkrieges kamen sie als Flüchtlinge zurück nach Deutschland, verstreuten sich über das Land. Meine Uroma und Oma sprachen, als meine Uroma noch lebte, meist in schwäbischem Dialekt miteinander. Auch russisch-ukrainische Gerichte wie Borscht, Wareniki und Golepzie haben sie mitgebracht. Deshalb war mir die Osteuropäische Küche schon etwas bekannt. Read the rest of this entry

Share and Enjoy

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • LinkedIn
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • Email
  • RSS

Beobachtet – Arrangierte Ehe im 21. Jahrhundert, oder: Ein Amerikaner auf Frauensuche in Odessa

Beobachtet – Arrangierte Ehe im 21. Jahrhundert, oder: Ein Amerikaner auf Frauensuche in Odessa
Keine ukrainische Frau, aber auch schön: Die Säulenhalle am Hafen.

Keine ukrainische Frau, aber auch schön: Die Säulenhalle am Hafen.

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 13

Nach einem langen Stadtrundgang durch Odessa, will ich mich an einer Tasse Tee aufwärmen. In der Nähe des Opernhauses sehe ich ein nettes Café. Es sieht relativ schick aus, aber die Preise sind in Ordnung. Ich gehe durch den Laden, finde erst keinen freien Platz. Nur im Raucherbereich sind noch freie Plätze. Dann steht ein Pärchen gerade auf und geht. Ich nehme ihren Tisch ein und bestelle beim Kellner ein Stück Apfelstrudel mit Vanilleeis und heißer Vanillesauce. Dazu ein Kännchen Grüner Tee. Wenn schon, denn schon, denke ich mir. Man muss sich nach dem langen Spaziergang auch mal was gönnen.
Sofort werde ich jedoch auf eine Dreier-Gruppe bestehend aus einem Mann und zwei Frauen aufmerksam. Sie sitzen schräg gegenüber von mir und ich kann sie gut beobachten, auf Grund der Musik aus den Boxen aber leider nicht alles verstehen. Schnell wird mir klar, dass der Mann aus den USA kommt und die Frauen Ukrainerinnen sind. Er spricht auf Englisch und eine der Frauen übersetzt ins Russische. Ich bin also in der glücklichen Lage, ähnlich wie die Dolmetscherin das Gespräch in all seinen Facetten zu verstehen. Vor allem weiß ich was die Braut beziehungsweise der Bräutigam in spe wirklich sagen, bevor es übersetzt wird.
Er scheint wohl viel geschäftlich unterwegs zu sein, verbringt wenig Zeit zu Hause. Gekleidet ist er etwas konservativ, so als käme er aus einer Stadt im Mittleren Westen wo es keine modernen Kleidungsgeschäfte gibt, sondern nur Wal Mart. Aber er sieht nicht creepy aus oder so wie man sich einen verzweifelten Mann auf Brautschau in der Ukraine vorstellt oder aus dem Fernsehen kennt. Dennoch entwickelt sich kein wirkliches Gespräch zwischen den beiden.
Nach einer Weile geht sie auf Toilette und er beginnt mit der Dolmetscherin zu reden, ja eigentlich schon zu flirten. Anscheinend war er nicht in der Lage seiner Verabredung selber zu sagen, dass er glaubt das die beiden nicht zusammen passen. Zumindest findet er sie nicht hübsch genug, zu klein und auch zu schweigsam. Als sie wieder zurückkommt, übersetzt ihr die Dolmetscherin was der Amerikaner gesagt hat. Sie wiederum wollte ihn auch nicht, sie könne sich nicht vorstellen die ganze Zeit alleine zu wohnen und das ihr Ehemann die ganze Zeit unterwegs ist. Tja, das war die kleine Geschichte von der Brautschau in Odessa. Ob der Amerikaner eine andere Frau gefunden hat in Odessa? Ich glaube nicht.
Insgesamt ist dies kein Einzelphänomen, dass westliche Männer nach Osteuropa oder Russland kommen um ihre Traumfrau zu finden. Meist geschieht das über eine Agentur oder über ein Internet-Portal, von beidem gibt es ziemlich viele. Wer Ukraine + Frau bei Google eingibt, wird fündig. Als Ergänzung schlägt Google übrigens gleich als erstes das Wort „kaufen“ vor. Es ist ein relativ perverses System, meiner Meinung nach. Einerseits wird die dortige Armut von westlichen Männern ausgenutzt, anderseits sind viele der ukrainischen, russischen oder belarussichen Männer auch nicht für ihre feinen Manieren bekannt. Ob die westlichen Männer, die es nötig haben dorthin zu fahren, allerdings wirklich besser sind, steht auf einem anderen Blatt.
Ja, die Ukrainerinnen, Belarussinnen und auch Russinnen sind oft extrem hübsch, aber sie haben oftmals auch andere Vorstellungen vom Leben und wollen eigentlich keine fetten Männer heiraten. Die gibt es auch dort. Was es in diesen Ländern oftmals zu wenig gibt sind gebildete, gut aussehende, nicht übermäßig trinkende und vor allem alleinstehende Männer mit einem guten Charakter. Die Konkurrenz unter den Frauen ist extrem hart, weshalb viele Frauen so aussehen als würden sie in einen Club gehen oder zu einer Modenschau, anstatt in die Uni oder zur Arbeit. Vielen meiner Kommilitoninnen würden in Deutschland zahlreiche Menschen hinterher gucken oder zumindest große Augen machen, hier in Belarus ist das ganz normal. Nur ziemlich selten ziehen Frauen hier Blicke auf sich auf Grund ihres schönen Aussehens.

Share and Enjoy

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • LinkedIn
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • Email
  • RSS

Gesucht: Party im winterlichen Odessa

Gesucht: Party im winterlichen Odessa

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 12

Der Name steht für Party, Alkohol, schöne Frauen und Strand. Aber leider auch für die höchste AIDS-Rate in der Ukraine. Odessa. Schon der Name dieser Stadt verspricht Hedonismus.
Ich bin leider zu früh hier. Mein Hostel ist nur zu einem Viertel belegt und auch sonst ist auf den Straßen wenig los. Wenn, dann sind es ältere russische Touristen welche diese Zeit nutzen um günstig Urlaub zu machen. Nach meiner Ankunft im Hostel ruhe ich mich kurz aus. Dann geht es los nach Arkadia, einem Vorort am Meer, wo viele Diskos sind. Das Party-Viertel von Odessa sozusagen. Vorbei am Stadion und einigen schäbigen Häusern geht es zum Strand. Dort angelangt wandere ich den Weg in Richtung Arkadia entlang. Alles ist tief verschneit, nur der Weg ist zum Glück gut begehbar, der Schnee fast überall festgetreten. Unterwegs komme ich an einer alten Seilbahn vorbei. Sie sieht sehr alt aus, aber scheint noch immer, zumindest im Sommer, in Betrieb zu sein. Read the rest of this entry

Share and Enjoy

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • LinkedIn
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • Email
  • RSS

Gefühlt: Warme Herzen und die kalte Strahlung Tschernobyls

Gefühlt: Warme Herzen und die kalte Strahlung Tschernobyls

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 11

Kaum betrete ich die Wohnung, werde ich schon umarmt. Ich bin leicht geschockt von der Herzlichkeit die mir hier begegnet. Die Mutter von einer Freundin, bei der ich in Kiew übernachte, ist wirklich eine gute und vor allem herzliche Seele. Sie gibt einem sofort das Gefühl zu Hause zu sein. Maria, meine Bekannte, kenne ich von einem Seminar in Berlin vor einem Jahr. Seit dem hatten wir immer mal wieder Kontakt. Anfang Januar schrieb ich ihr, dass ich durch Osteuropa reise, Ende des Monats auch in die Ukraine komme und fragte ob sie eine Couch für mich frei habe. Kurze Zeit später antwortete sie mir, dass ihre Nachbarn gerade weg seien und dass ich deren Apartment benutzen könnte. Das war natürlich eine großartige Nachricht.
Am ersten Abend gibt es Wareniki/Maultaschen, gefüllt mit Kartoffeln und körnigem Frischkäse, genauso wie ich sie von Zuhause kenne. Da hab ich mich gleich noch mehr heimisch gefühlt. Daheim hat meine Uroma oft solche Teigtaschen gemacht, die aber Berhee genannt wurden. Sie war Deutsche und kam aus Galizien, der Region um Lviv/Lvov/Lemberg. Die Gastfreundschaft ist einfach riesig. Noch nie in meinem Leben habe ich so eine herzliche Gastfreundschaft erlebt. Zu viert sitzen wir in der Küche, neben Maria, ihrer Mutter und mir ist noch eine Tante aus Moskau zu Besuch. Wir reden auf Russisch, nur wenn ich nicht mehr weiter weiß, muss Maria dolmetschen.
Für vier Tage bleibe ich in der Stadt am Fluss Dnepr. Maria muss zum Glück nicht arbeiten und sie kann mir die Stadt zeigen. Neben vielen schönen orthodoxen Kirchen, ich habe in meinem Leben noch nie so viel Gold gesehen, sehe ich die Reste der Pro-Timoschenko Bewegung, die Stadt und das Tschernobyl-Museum.
Der Tag im Museum über das 1986 havarierte Atomkraftwerk ist sehr bedrückend aber auch interessant. In aller Einzelheit erklärt der Audio-Guide wie das Drama seinen Lauf nahm und was danach passierte. Ich frage mich, ob die Exponate noch heute etwas strahlen oder ob alles okay ist. Irgendwie ein beklemmendes Gefühl so nah an allem dran zu sein. Meine Zugfahrt von Vitebsk nach Kiew führte mich schon durch das stark verstrahlte Gebiet von Tschernobyl. Neben vielen Exponaten von damals werden auch die Fehler, welche die Sowjetführung unter Gorbatschow machte, gezeigt. So wurde die Parade zum 1. Mai, wenige Tage nach dem Unglück, nicht abgesagt, obwohl bekannt war das der Wind die atomaren Partikel auch nach Kiew trägt. Viele Frauen und Kinder wurden an diesem Tag wissentlich den Gefahren ausgesetzt und nicht informiert. Dieses dunkle Kapitel von Gorbatschow wird heute von vielen vergessen.

Der Rest der Julia-Timoschenko-Bewegung.

Der Rest der Julia-Timoschenko-Bewegung.

Das Außenministerium der Ukraine.

Das Außenministerium der Ukraine.

Ausstellung im Tschernobyl-Museum.

Ausstellung im Tschernobyl-Museum.

Share and Enjoy

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • LinkedIn
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • Email
  • RSS

Gegangen: Als vermutlich einziger Tourist in Vitebsk auf Chagalls Spuren

Gegangen: Als vermutlich einziger Tourist in Vitebsk auf Chagalls Spuren

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 10

Es ist noch sehr früh am Morgen, als mein Zug aus Riga in Vitebsk ankommt. Ich bin müde, auf Grund der Grenzkontrollen auf halber Strecke konnte ich auch nicht viel schlafen. Im Bahnhof von Vitebsk suche ich zuerst die Gepäckabgabe, bringe dort meinen großen Rucksack hin, und gehe dann auf die Suche nach einer ruhigen Ecke wo ich noch vielleicht ein Stündchen dösen kann. Im 1. Stock werde ich fündig, dort gibt es einen großen Saal, der halbdunkel ist. Ich trete ein und gehe zur nächsten Bank. Meine Kamera und einen Rucksack mit Karten, Reiseführer und was zu essen benutze ich als Kopfkissen. Plötzlich höre ich hinter mir eine Stimme, die anscheinend mich meint. Ich gehe zu der älteren Frau und will wissen, was denn los sei. Ich dachte erst das sie mein Zugticket sehen will, aber das will sie gar nicht. Sie zeigt ein Schild. Darauf steht, dass man für den Aufenthalt in diesem Saal bezahlen muss. Also gut, ich gebe der Frau das Geld für die nächsten zwei Stunden und lege mich schlafen.
Nach knapp einer Stunde geht plötzlich das Licht an, keine Chance mehr weiter zu schlafen. Ich versuche langsam wach zu werden, gehe zu einem kleinen Restaurant wo es Tee und etwas zu essen gibt. Draußen ist es immer noch dunkel und so richtig werde ich nicht wach. Red Bull oder ähnliches ist im Bahnhof leider nicht zu bekommen. Normale Supermärkte öffnen erst um 8Uhr. Read the rest of this entry

Share and Enjoy

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • LinkedIn
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • Email
  • RSS

Enttäuscht: Estlands Studentenstadt Tartu

Enttäuscht: Estlands Studentenstadt Tartu

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 9

Tja, was soll ich zu Tartu sagen, es ist eine kleine Studentenstadt mit 103.000 Einwohnern, wovon ca. 18.000 Studenten sind. Warum ich nach Tartu überhaupt gekommen bin? Weil es eine Partnerstadt meiner Heimatstadt Lüneburg ist. Vielleicht ist es im Sommer schöner, wenn mehr Leute draußen sind und es mehr Studentenpartys gibt, aber als ich dort war, herrschte dort eher Friedhofsruhe.

Hier ein paar Eindrücke von Tartu:

Das Rathaus und der Brunnen mit zwei sich küssenden Studenten.

Das Rathaus und der Brunnen mit zwei sich küssenden Studenten.

Blick auf die Hinterseite vom Rathaus und den Marktplatz.

Blick auf die Hinterseite vom Rathaus und den Marktplatz.

Streetart in Tartu.

Streetart in Tartu.

 

Das Anatomie-Institut der Universität Tartu.

Das Anatomie-Institut der Universität Tartu.

Ruine der Kathedrale von Tartu.

Ruine der Kathedrale von Tartu.

Universitätshauptgebäude der Universität Tartu.

Universitätshauptgebäude der Universität Tartu.

Schiefes Haus am Marktplatz von Tartu.

Schiefes Haus am Marktplatz von Tartu.

 

Share and Enjoy

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • LinkedIn
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • Email
  • RSS

Alleine unter Frauen: Auf einer Baby shower in Helsinki

Alleine unter Frauen: Auf einer Baby shower in Helsinki

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 8

Nach meiner lustigen Fahrt von Tallinn nach Helsinki fahre ich vom Hafen mit der Straßenbahn in die Stadt hinein. Meine Couchsurfer-Gastgeberin für die nächsten zwei Nächte heißt Minna und ich treffe sie an einem Kiosk in der U-Bahnstation Sörnäinen. Wir gehen zusammen zu ihrer Wohnung, wo ich mein Gepäck ablade und mich kurz an einer Tasse Tee aufwärme. Auf dem Weg erzählte Minna mir, dass sie zu einer „Baby shower“ von einer guten Freundin eingeladen ist und fragte mich ob ich mitkommen wolle. „Klar!“, sagte ich. Schließlich wusste ich eh nicht was ich am Abend machen solle.
Also gehen wir zu ihrer Freundin, die im gleichen Viertel wohnt. „Das Viertel war früher mal ein Arbeiterviertel“, sagt sie. „Heute leben hier hauptsächlich Studenten und Künstler, nur die Kneipen und Stripclubs sind noch von früher geblieben.“
Auf was ich mich da genau einlasse wusste ich nicht. Von dem Begriff „Baby shower“ hatte ich vorher noch nie gehört. Auf dem Weg erzählt Minna von ihren Protesten bei einem Nato-Gipfel, ich erzähle von den Demonstrationen auf denen ich bisher so war. Schon auf der Couchsurfing-Seite hatten wir darüber kurz geschrieben, ich hatte sie angeschrieben, weil sie in ihrem Profil angab, dass sie politisch interessiert sei. Die Frau die heute die Baby shower veranstaltet, spiele in ihrer Band, sagt Minna. Sie machen hauptsächlich Punk, sind eine reine Frauenband und treten im Sommer sogar in Deutschland auf. An jedem Tag in einer anderen Stadt. Read the rest of this entry

Share and Enjoy

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • LinkedIn
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • Email
  • RSS

Nüchtern: Auf dem “Party-Schiff” von Tallinn nach Helsinki

Nüchtern: Auf dem “Party-Schiff” von Tallinn nach Helsinki
Kurz bevor das Schiff Helsinki erreicht geht die Sonne unter.

Kurz bevor das Schiff Helsinki erreicht geht die Sonne unter.

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 7

Wie sind „die“ Osteuropäer? Wie unterscheiden sie sich voneinander in der Mentalität? Um einen möglichst großen Kontrast auf der Fahrt zu bekommen und um mal wieder nach Skandinavien zu kommen, hatte ich Helsinki auf meine Route mit eingeplant. Von meiner Couchsurferin in Tallinn bin ich dann mit meinem großen Rucksack, meiner Kameratasche um den Hals und dem Stadtplan in der Hand in Richtung Hafen gelaufen. Zum Glück ist der nicht weit vom Stadtzentrum entfernt. Vorbei an mehreren Supermärkten und Weinläden erreiche ich das Terminal. Nach dem Ticketkauf muss ich noch einige Minuten warten bis das Schiff für die Passagiere geöffnet wird.

Ich setze mich in eine Ecke auf meinen Rucksack und beobachte das Treiben. Viele Menschen mit Sackkarren sind zu sehen, darauf stapeln sich mehrere Paletten mit Bier, die so aussehen als würden sie bald runter fallen, so hoch sind sie getürmt. Mehr geht nicht. Hinten in der Ecke am Ende des Raumes im Duty Free Shop wird weiter fleißig Alkohol gekauft, vor allem Bier. Palettenweise.

Von meiner Couchsurfer-Gastgeberin in Tallinn, einer Finnin, wurde ich schon vorgewarnt. Sie hatte mir erzählt, dass die Finnen zum Alkohol trinken und Alkoholeinkauf nach Estland mit der Fähre kämen. Eine Fahrt kostet 40€ pro Person mit dieser Fähre. Die Fahrt dauert nur vier Stunden. Viele der Wartenden haben eine geöffnete Bierdose in der Hand, oder öffnen sich gerade eine neue.
Dann geht es endlich los. Die Sackkarren setzen sich in Bewegung. Die Stimmung ist heiter. Obwohl es gerade mal früher Nachmittag ist, haben sich einige hier schon volllaufen lassen. Vor mir torkeln zwei größere blonde Hünen, so wie man sich Finnen vorstellt, in Richtung Schiff. An Deck setze ich mich in einen Gang, gegenüber von einem Restaurant. Im Rücken habe ich ein großes Panoramafenster. Hier gehen die Leute entlang, wenn sie etwas essen wollen oder zu einem der Shops wollen. Ein guter Beobachtungsplatz.
Das Schiff legt ab und nach einigen Durchsagen zur Sicherheit an Bord des Schiffes, wird die Öffnung des Duty Free Shops verkündet. Ein Traube von Menschen strömt jetzt in diese Richtung, so als hätten sie in Tallinn nicht genug die Gelegenheit gehabt einzukaufen. Die Menschen auf dem Schiff kommen aus fast allen Altersklassen, nur Kinder sind sehr wenige zu sehen. Wahrscheinlich wurden die alle zu Hause gelassen, damit sie nicht sehen, wie Mama und Papa sich hier die Kante geben.
Von den relativ normal wirkenden Leuten bis hin zu stark torkelnden sind alle Rauschstufen zu beobachten. Zwei Männer, etwa Mitte 30, sehen so aus als hätten sie sich in der letzten Nacht mit den falschen Leuten angelegt. Die violetten Ringe um die Augen und die blauen Flecken im Gesicht sehen nicht gerade nach Laternenpfahl aus. Aber das Bier im Plastikbecher schmeckt anscheinend auch ihnen. Mal mit einem halb leeren, mal mit einem vollen Becher kommen sie mehrmals an mir vorbei.
Mit der Zeit bekomme ich Hunger auf etwas deftiges. Ich entschließe mich die 20€ für das Buffet zu investieren und esse mich die verbleibenden 1,5 Stunden durch alle möglichen Sorten von Fleisch, Fisch, Sushi und Beilagen. Ich komme mir schon ein bisschen dekadent vor. Aber man muss sich ja auch mal was gönnen. An meinem Fensterplatz sehe ich, wie das Schiff auf eine große weiße Fläche zufährt. Kann das Schiff durch Eis fahren? Frage ich mich. Noch nie zuvor bin ich mit einem Schiff durch Eis gefahren. Die große weiße Fläche stellt sich als große Ansammlung kleiner- und mittelgroßer Eisschollen heraus. Am Ende ist mir schon etwas schlecht vom vielen Essen. Ich beschließe etwas frische Luft zu schnappen und gehe nach draußen. Dort ist es kalt, sehr kalt. Kalte Luft + Fahrtwind = -°C, mindestens, gefühlt. Das Schiff erreicht gerade die Küste und kleine Inseln sind zu sehen. Eine Frau, in etwa Mitte 50, die gerade zum rauchen nach draußen gegangen ist, spricht mich an: „We are here on a partyship. We go to Estonia to buy cheap alcohol, stay the night and have a looot of fun“, erklärt sie mir. Offensichtlich ist die Frau stark betrunken und weiß nicht wirklich was sie sagt. Nach ein paar weiteren erklärenden Sätzen wie „We are all drunk and happy!“ verabschiede ich mich und gehe wieder rein, zu kalt ist es draußen und das Schiff schon fast im Hafen.

Share and Enjoy

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • LinkedIn
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • Email
  • RSS

Vereinigt: Mit vier Europäerinnen in einer Schwulen-Bar in Tallinn

Vereinigt: Mit vier Europäerinnen in einer Schwulen-Bar in Tallinn

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.
Teil 6
Ganz im Norden von Europa von Osteuropa befindet sich ein Land, dass in vielen Dingen einen Schritt voraus ist. Vor allem im IT-Bereich. Es ist quasi das gottgelobte Land für alle Nerds und Geeks. Um dorthin zu kommen, hat mein Couchsurfer-Gastgeberpärchen mir den Reisebus empfohlen. Der sei am billigsten und schnellsten. Ganz einfach und schnell haben wir am Frühstückstisch ein Ticket nach Tallinn im Internet gekauft, Sitzplatz ausgesucht, per Kreditkarte bezahlt und ausgedruckt.
Nachmittags am großen Busterminal muss ich mein übriges lettisches Geld noch in Euros umwechseln, kaufe mir ein Sandwich und eine Sprite und muss dann auch schon zum Bus. Der ist gar nicht so leicht zu finden, so viele Busse stehen hier, fahren los oder kommen an. Ganz am Ende des Bussteiges steht dann meiner, ein gelber Bus der russischen Firma Ecolines, einem der Marktführer in Osteuropa und Russland. Mein Gepäck wird eingescannt, bekommt wie beim Flughafen einen Aufkleber und im Bus selber serviert eine Stewardess Getränke. Doch das beste auf der Fahrt: kostenloses drahtloses Internet. Die Fahrt ist angenehm und ruhig. Obwohl ich heute wenig gemacht habe, bin ich müde vom Tag. Bei meiner Couchsurfer-Gastgeberin, einer Finnin, die direkt im alten Stadtzentrum an der historischen Stadtmauer wohnt, schlafe ich nach dem Duschen sofort ein. Read the rest of this entry

Share and Enjoy

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • LinkedIn
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • Email
  • RSS

Verzaubert: Riga als Hauptstadt des Jugendstils

Verzaubert: Riga als Hauptstadt des Jugendstils
Das Schwarhäupterhaus und die Petrikirche am Marktplatz.

Das Schwarhäupterhaus und die Petrikirche am Marktplatz in der Altstadt.

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 5

Von Klaipeda in Litauen geht es auf in die nächste Hauptstadt im Baltikum: Riga, die mit Abstand größte Stadt in Lettland. Ein Minibus bringt mich, für nur wenige Euros, an mein Ziel. Die Fahrt verläuft unspektakulär, wenn man von den Überholmanövern des Fahrers auf der vereisten Autobahn absieht. Als ich am Abend in Riga ankomme ist es schon stockdunkel. Doch auf meinem Weg vom Hauptbahnhof zur Kunstakademie, wo ich meine Couchsurfer-Gastgeberin treffe, erahne ich schon die Schönheit der Stadt. Read the rest of this entry

Share and Enjoy

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • LinkedIn
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • Email
  • RSS