Category Archives: Bildung

Untergrundsprache Belarussisch

Untergrundsprache Belarussisch
Wird bald nicht mehr gebraucht: Wörterbuch Belarussisch-Russisch

Wird bald nicht mehr gebraucht: Wörterbuch Belarussisch-Russisch.

Als ich in Belarus angekommen war, herrschte bei mir große Verwirrung. Was ist jetzt Belarussisch und was ist Russich? Mal wird etwas in der einen, mal in der anderen Sprache geschrieben. Inzwischen hat sich diese Verwirrung gelegt. Belarussisch wird nur bei Straßennamen, Bussen und U-Bahnstationen verwendet. Es ist quasi eine Untergrundsprache, denn fast nirgendwo sonst findet man Hinweise darauf, dass die eigentliche Sprache in diesem Land Belarussisch ist. In den Geschäften, Banken und Restaurants wird überall alles auf Russisch geschrieben. Auf der Straße wird ebenso nur Russisch gesprochen, wer Belarussisch spricht fällt auf, besonders den vielen Polizisten auf den Straßen.

Eine Sprache des Untergrund ist sie auch deshalb, weil viele der Oppositionellen sie benutzen, schon allein aus trotz gegen Lukaschenko der kein Belarussisch in der Öffentlichkeit spricht. Der einzige Minister im Kabinett der noch diese scheinbar zum aussterben verdammte Sprache spricht, ist der Kulturminister. Ob die Sprache überleben wird, hängt jedoch von der breiten Masse der Bevölkerung ab. Da die jedoch größtenteils Russisch spricht, kann von einem Linguizid, also von einem bewusst herbeigeführten Tod der Sprache, eigentlich keine Rede sein.

Die U-Bahn-Sprache Belarussich ist nur noch ein Feigenblatt in der Öffentlichkeit, dass den wenigen Sprechern der Sprache zeigen soll: Seht her, wir machen doch was für den Erhalt der Sprache. Diesen Eindruck habe ich auch an meiner Fakultät gehabt, wo alle Räume und Fakultäten auf Belarussisch geschrieben werden, bis ich diese Woche am Dienstag tatsächlich eine Veranstaltung auf Belarussisch erwischt hatte. Die Vorlesung über die “Geschichte der Außenpolitik der Republik Belarus” wurde tatsächlich in dieser toten Sprache gehalten. Ich war wieder verwirrt, denn auf dem großen Vorlesungsplan im Foyer wurde auch diese Veranstaltung selbstverständlich auf Russisch angekündigt. Viel verstanden habe ich nicht von der Vorlesung, selbst wenn sie auf Russisch gewesen wäre. In der Vorlesung war es laut, die meisten Kommilitonen waren offensichtlich entweder nicht am Thema interessiert oder verstanden nicht, beziehungsweise nicht alles was der Professor erzählte. Für viele war das Smartphone oder das Gespräch mit dem Nachbarn interessanter als die Geschichte der Außenpolitik ihres Landes. Eigentlich traurig. Anschließend fragte ich den Professor wann die Prüfung sei und ob er mir Literatur zum Thema empfehlen könne. Doch er riet mir ab daran teilzunehmen, denn auch die Abschlussprüfung wird auf Belarussisch sein.
Vermutlich wird es dem Belarussischen so gehen wie dem Ruthenischen, seinem Vorgänger. Irgendwann ganz verschwinden. Aber wen stört das schon? Für mich ist es bequemer Russisch zu sprechen, da ich es schon halbwegs kann, und für den Rest der Bevölkerung ja anscheinend auch.

Да пабачэння беларуская мова! / Tschüß belarussische Sprache!

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Mein Block – Vom 1. bis zum 13. Stock

Mein Block – Vom 1. bis zum 13. Stock

Oft werden Plattenbauten mit negativen Wörtern in Deutschland verbunden. Plattenbausiedlungen gelten in Westeuropa gemeinhin als soziale Brennpunkte und darin wohnen wollen freiwillig nur die wenigsten. In Osteuropa und damit auch in Belarus ist das anders. Fast jeder wohnt in der „Platte“. Auch die meisten Studentenwohnheime sind in dieser Bauweise errichtet worden.

Der 13 Stockwerke zählende Bau des „Obscheschite Nr. 2“ in dem ich wohne wurde 1974 errichtet und 2004 renoviert. Dabei sollte man jedoch wissen, dass hier das Erdgeschoss schon der 1. Stock ist und nach der deutschen Zählweise das Gebäude nur 12 Stockwerke hat. Welcher Student in welches Wohnheim kommt, wird eigentlich nach Fakultäten aufgeteilt. Ausländische Gaststudenten genießen allerdings das Privileg in diesem renovierten und zentrumsnahen Wohnheim in der Oktjabrskaja Straße untergebracht zu sein. Von hier aus sind es nur zehn Minuten zu Fuß bis zum Palast der Republik.

Am Eingang sitzt meist eine ältere Frau, die kontrolliert wer reinkommt. Denn Zutritt haben nur Studenten, die auch einen Wohnausweis vorzeigen können. Wer nicht in diesem Wohnheim wohnt, muss den Ausweis seines Wohnheims an der Rezeption abgeben, sich eintragen und darf dann erst das Drehkreuz passieren. Kommen und Gehen ist jedoch auch nicht immer möglich. Bis 24Uhr hat das Wohnheim offiziell nur geöffnet, danach kommen nur diejenigen rein, die sich mit der Nachtwächterin gut gestellt haben, aber selbst darauf würde ich mich nicht verlassen. Auch das die drei Aufzüge immer funktionieren ist nicht selbstverständlich. Mir ist es zum Glück noch nicht passiert, dass ich im Fahrstuhl stecken geblieben bin, aber um in den achten Stock zu kommen, wo ich wohne, durfte ich schon des öfteren die Treppe benutzen. Der Fahrstuhltechniker sollte bei uns im Haus wohnen, dann könnte er sich die täglich Fahrt zu unserem Wohnheim sparen.

Die Zimmer haben alle drei Betten, einen Tisch, drei Stühle, einen Schreibtisch, drei kleine Regale, drei Nachtschränke und einen großen Schrank. Außerdem gibt es zwei LAN-Anschlüsse für Internet. Damit dieses funktioniert, muss ein Programm auf dem Computer installiert sein. Das dieses aufzeichnet welche Seiten besucht werden, glaube ich zwar nicht, ein gutes Gefühl gibt es mir aber auch nicht. Dass das Internet stark überwacht werden kann beziehungsweise wird ist aber klar, denn erst im Sommer hat Ericsson neue Überwachungstechnik geliefert, welche DPI (Deep Packet Inspection) möglich macht.

Seit dem 15. Oktober geht sogar unsere (zentral geregelte) Heizung. Das war der Tag an dem in ganz Minsk die Heizungen angestellt wurden, unabhängig davon wie warm oder kalt es draußen ist. Bei zu viel Wärme im Zimmer wird das Fenster geöffnet.

Auf jeder Etage gibt es eine Küche mit mehreren Herden und Backöfen, ein Zimmer für den bzw. die „FlurkommandantIn“ wie sie unter uns Deutschen heißt (ihre genaue Funktion haben wir noch nicht herausbekommen) und was am aller bequemsten ist: einen Schacht in dem sämtlicher Müll verschwindet. Das Wort Mülltrennung ist hier ein Fremdwort. Die „Flurkommandantin“ auf meinem Flur ist immer sehr nett, fragt ob alles okay ist und erinnert ans putzen, dabei sieht es bei meinem Mitbewohner und mir noch sehr ordentlich aus, in anderen Zimmern liegen Essensreste im ganzen Zimmer verteilt und unterm Tisch liegt ein Kartoffelsack aus dem die sandigen Knollen schon herausquellen. Im Wohnheim gibt es außerdem noch einen Fitnessraum, einen Lernraum, ein Fernsehzimmer und mehrere andere Freizeiträume. Aus den Küchen strömt meist ein starker Geruch von Essen. Es kann schon mal vorkommen, dass am Abend jede Etage anders riecht.

Bevor ich hierher gekommen bin, war ich davon ausgegangen, dass Gaststudenten ein Einzelzimmer bekommen, leider habe ich mich getäuscht. Jetzt wohne ich mit einem anderen Deutschen zusammen in einem Zimmer, dass ist nicht immer einfach aufgrund der fehlenden Privatsphäre. Das eigene 20qm. große Zimmer in Deutschland ist dagegen schon ein Luxus gewesen. Eigentlich sollte noch ein dritter Deutscher im Zimmer wohnen, aber der wohnt zum Glück bei seiner Freundin.

Mit dem Nachbarzimmer teilen wir uns Dusche und Bad, die von einem Vorflur, der zwischen Hauptflur und unseren Zimmern liegt, abgehen. Unsere Zimmernachbarn kommen beide aus Südkorea, sind freundlich und umgänglich, aber viel miteinander zu tun haben wir nicht.

Insgesamt habe ich aber Glück gehabt, denn es soll auch Studentenwohnheime geben, in denen vier Studenten in einem Zimmer leben. Im ersten Wohnheim in dem ich für zwei Nächte war, befand sich die Toilette auf dem Gang und die Duschen im Keller, von daher kann ich mich eigentlich nicht beschweren, ein eigenes Zimmer wäre aber trotzdem super.

Der fehlgeschlagene Versuch einen Smiley und БГУ mit dem Licht der Fenster zu schreiben.

Der fehlgeschlagene Versuch einen Smiley und БГУ mit dem Licht der Fenster zu schreiben.

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