Mein Vormittag in einem belarussischen Krankenhaus

Mein Vormittag in einem belarussischen Krankenhaus

Relativ unscheinbar fügt er sich in die Umgebung ein. Der Plattenbau der Studentischen Poliklinik in Minsk. Um 6:30Uhr bin ich heute Morgen aufgestanden, um früh da zu sein. Ich schaue auf meinen Laufzettel und sehe eine Reihe von Ärzten. Alle sind sie dabei: Augenarzt, HNO-Arzt, Neurologe und einige weitere Untersuchungen. Als erstes steuere ich den HNO-Arzt an, da es noch früh am Morgen ist, komme ich als Erster dran. Begrüßt werde ich freundlich von einer älteren korpulenten Ärztin. Alles geht ganz schnell, erst schaut sie mir in den Rachen, dann in die Ohren, danach in die Nase und anschließend tastet sie noch meine Mandeln ab. Um einen Stempel reicher auf meinen Zetteln mache ich mich auf zum Augenarzt. Dort hat sich schon eine kleine Schlange gebildet.

Von innen sieht das Krankenhaus so aus, wie man sich ein etwas in die Jahre gekommenes Sowjetkrankenhaus aus den 60ern vorstellt. Ziemlich schummriges Licht auf den Gängen, viele Leute, die warten und die bauliche Substanz ist ebenso sanierungsbedürftig wie die Einrichtung des Hauses.

Die Augenärztin stellt sich ebenfalls als eine etwas rundliche, ältere Ärztin heraus, die sogar freudig ein paar Brocken Englisch mit mir versucht zu sprechen. Das Einzige was ich hier machen muss, ist ein paar Kreisöffnungen erkennen. Dies gelingt bei beim rechten Auge mit etwas raten relativ gut, beim linken klappt es perfekt. Als ich draußen bin, habe ich einen weiteren Stempel, der mir bescheinigt, dass ich auf beiden Augen 100% Sehkraft hätte. Naja, Hauptsache ein weiterer Stempel.

Jetzt wage ich mich an die etwas „gefährlicheren“ Untersuchungen heran: Blutabnahme aus dem kleinen Finger. Bei dieser Station hat sich schon eine lange Schlange gebildet. Fast eine Stunde muss ich anstehen, bis ich schließlich drankomme. Ein kleiner Piekser und ich bin schon wieder draußen. Bei dieser Prozedur habe ich natürlich genauestens darauf geachtet, wie steril die Ärztin arbeitet. Ein bisschen mulmig ist mir aber schon gewesen.

Doch nun kommt es zum eigentlichen „Höhepunkt“, vor mir liegt das Röntgen. Zweck dieser Prozedur ist die Erkennung von Tuberkulose. Nach fast 1 ½ Stunden anstehen, komme ich dran. Zuvor hatte ich schon Schauergeschichten gehört, man müsse ich komplett ausziehen und würde mit mehreren an einer nackten kalten Stahlwand stehen. Bevor in eintrete, merke ich wie meine Hände langsam kalt und blass werden. Zusammen mit zwei anderen Männern aus Turkmenistan gehe ich in den Warteraum. Natürlich bin ich als Erster dran … „Ausziehen!“ kommt das Kommando. Zum Glück nur mein Hemd. Dann gehe ich in den Raum, dessen Tür ein großes Warnschild mit einem Atomzeichen trägt. Alleine. Dort werde ich von einer älteren Frau mit weißem Mantel an das kalte Röntgengerät gedrückt. Eine Bleischürze bekomme ich nicht… Also falls jemand eine übrig hat, möge er sie bitte an das Krankenhaus spenden. Immerhin sieht das Gerät relativ neu aus.

Voller Entschlossenheit gehe ich nun zum nächsten Arzt in den dritten Stock, dort soll laut meinem Zettel ein EKG stattfinden. Doch vor mir tut sich schon wieder eine lange Schlange auf und nach einer Viertelstunde, in der nur eine Person reingegangen ist, beschließe ich woanders hinzugehen. Schließlich sind immer noch vier Ärzte auf dem Programm.

Ich entscheide mich dorthin zu gehen, bei dem ich nicht weiß was passieren wird. Ein bisschen Abwechslung und Spannung muss ja sein. Nach nur 20 Minuten Wartezeit darf ich eintreten. Mit sichtlich schlechter Laune weist die Ärztin mich an, auf einem Stuhl am Fenster Platz zu nehmen. Ich ahne böses. Schon wieder Blutabnahme. Dieses Mal jedoch aus dem Arm. Wofür auch immer. Hier gibt es erneut wieder einen Stempel.

Morgen, am Samstag muss ich wieder hin, denn der Physiologe und der Neurologe waren heute nicht da und das EKG muss ich auch noch hinter mich bringen.

Fazit: Alles nicht sooo schlimm wie ich es mir vorgestellt habe, krank sein möchte ich hier aber trotzdem nicht! Für die ganzen Untersuchungen musste ich übrigens gestern schon bei der Anmeldung 60€ bezahlen.

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