Gesucht: Party im winterlichen Odessa

Gesucht: Party im winterlichen Odessa

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 12

Der Name steht für Party, Alkohol, schöne Frauen und Strand. Aber leider auch für die höchste AIDS-Rate in der Ukraine. Odessa. Schon der Name dieser Stadt verspricht Hedonismus.
Ich bin leider zu früh hier. Mein Hostel ist nur zu einem Viertel belegt und auch sonst ist auf den Straßen wenig los. Wenn, dann sind es ältere russische Touristen welche diese Zeit nutzen um günstig Urlaub zu machen. Nach meiner Ankunft im Hostel ruhe ich mich kurz aus. Dann geht es los nach Arkadia, einem Vorort am Meer, wo viele Diskos sind. Das Party-Viertel von Odessa sozusagen. Vorbei am Stadion und einigen schäbigen Häusern geht es zum Strand. Dort angelangt wandere ich den Weg in Richtung Arkadia entlang. Alles ist tief verschneit, nur der Weg ist zum Glück gut begehbar, der Schnee fast überall festgetreten. Unterwegs komme ich an einer alten Seilbahn vorbei. Sie sieht sehr alt aus, aber scheint noch immer, zumindest im Sommer, in Betrieb zu sein.
Immer weiter gehe ich, der Weg scheint endlos zu sein und ich frage mich schon, ob ich dran vorbeigelaufen sei. Dann begegnet mir ein alter Mann, den ich fragen kann. Er sagt, dass es nur noch eine halbe Stunde sei. Also weiter. Endlich am Ziel sehe ich einige zweigeschossige Gebäude im Stil der 60/70er-Jahre. An vielen wird gearbeitet. Manche haben schon Plakate draußen hängen. Leider beginnt die Saison zwei Tage nach meiner Abfahrt, aber es gibt ja auch noch genügend Diskotheken in der Stadt, zumindest dem Reiseführer zufolge, laut dem es auch noch einige Hostels gibt, die aber schon seit Jahren nicht mehr existieren. Die Diskotheken sind meist nach Themen gestaltet. So gibt es zum Beispiel eine Disko in der Form eines Piratenschiffs. Neben den Clubs werden großen Hotelburgen hochgezogen. Ob sie jedoch schon zum Sommer fertig gestellt sein werden, ist fraglich. Zurück in die Innenstadt geht es mit der Straßenbahn.
Am Abend will ich dann die Clubs in der Innenstadt erkunden. Im Lonely Planet stehen zum Glück auch ein paar Adressen und die Internetrecherche ergibt ebenso noch ein paar Quellen. Gleich bei der ersten Adresse macht sich Ernüchterung breit. Statt dem Eingang zu einem Club finde ich nur den zu einem Geschäft. So ähnlich geht es mir bei einigen anderen Adressen auch. Letzte Hoffnung ist dann ein größerer Club der fast jeden Tag Veranstaltungen hat. Die Internetseite ist aktuell, also muss es ihn noch geben.
Ich laufe quer durch die Stadt bis zum Bahnhof und noch weiter. Dann bin ich endlich da. Vor dem Club stehen mehrere breitschultrige Türsteher, Musik ist zu hören. Endlich! Ein Club der offen hat. Ob ich da auch reingelassen werde? Hier in der Ukraine so wie in Russland und Belarus auch, gibt es meist eine strenge Gesichts- und Kleiderkontrolle. Gut das ich ein Hemd anhabe und die Jeans im Hostel gelassen habe. Der Eintritt ist leider nicht ganz billig, sechs Euro sind schon verdammt viel. Ein weiterer breitschultriger Securitymann öffnet mir Tür, erst jetzt schlägt meine anfänglich Freude in pure Ernüchterung um. In dem großen Club sitzen gerade mal fünf Menschen in der Nähe der Bar. Meinen Frust versuche ich nun mit einem Bier herunterzuspülen, aber es will nicht gelingen. Es ist halb zwölf und es sind mehr Angestellte als Gäste anwesend. Diese Gäste sind außerdem alle noch relativ speziell.
Der Technobass dröhnt, ich würde gern tanzen, aber dann würde ich mich vor den knapp zehn anderen Gästen komplett lächerlich machen. Also bleibe ich an der Bar sitzen, in der Hoffnung das bald die Go-Go Girls kommen, die es laut den Plakaten geben sollte. Mein Gott… Selbst in Jena in der Rose ist an leeren Abend mehr los als hier heute. Die Tänzerinnen kommen nicht, dafür geht jetzt eine Gruppe von Leuten, die alle zwischen 40 und 50 sind auf die Tanzfläche. Die Männer tragen teilweise Anzüge, die Frauen enge Kleider in denen sich ihre Hüftspeckrollen besonders gut abzeichnen. Eine scheint mit ihrer Kleiderwahl noch nicht genügend Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, deshalb trägt sie eine Federboa mit sich herum. Ich komme mir vor wie in einem schlechten Film.
Als nach zwei Stunden Warten immer noch nicht mehr Gäste kommen und die auf den Plakaten angekündigten Tänzerinnen auch nicht erscheinen, mache ich mich auf den Rückweg zum Hostel.
Am nächsten Tag erkunde ich die Innenstadt, sehe die berühmte Potemkinsche Treppe, auf der aber leider gerade die Kulisse eines Kriegsfilmes aufgebaut war. Im Sommer muss die Stadt noch um einiges schönes sein, aber auch im Winter hat sie einen gewissen Reiz.

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