Gefolgt: Auf den Spuren meiner Ahnen in Lviv

Gefolgt: Auf den Spuren meiner Ahnen in Lviv

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 14 (letzter Teil)

Eigentlich wollte ich nur drei Nächte in Lviv/Lvov/Lemberg, der Stadt mit den vielen Namen, bleiben. Doch der Zufall wollte es so, dass ich noch eine Nacht länger bleibe, denn nach Minsk fahren nicht an jedem Tag Direktzüge. Die ersten beiden Nächte verbrachte ich im Apartment vom Bruder einer Bekannten, die ich ebenfalls von einem Seminar aus Berlin kannte. Die anderen beiden Nächte verbrachte ich in einem Hostel mitten in der Innenstadt.
Dass ich nach Lviv komme, ist kein Zufall. Es ist für mich auch eine Art Reise in die Vergangenheit. Meine Oma und Uroma kommen aus Galizien, der Region um die Stadt. Dort am Rande der Karpaten wechselten die Herrscher öfters, als anderswo in Europa. Mal waren die Österreicher an der Macht, mal die Polen oder Ukrainer. Im 18. Jahrhundert kamen dann viele aus der Pfalz stammenden Familien nach Galizien und gründeten dort deutsche Siedlungen. Sie waren meist Protestanten die sich außerhalb des katholischen Einflussgebietes mehr religiöse Freiheit erhofften. Vor allem aber bekamen sie dort kostenlos Land, welches viel größer war als das was sie in der Pfalz besaßen. Wegen des Hitler-Stalin-Paktes wurden sie nach Polen umgesiedelt, wo vorher polnische Bauern vertrieben wurden. Am Ende des Zweiten Weltkrieges kamen sie als Flüchtlinge zurück nach Deutschland, verstreuten sich über das Land. Meine Uroma und Oma sprachen, als meine Uroma noch lebte, meist in schwäbischem Dialekt miteinander. Auch russisch-ukrainische Gerichte wie Borscht, Wareniki und Golepzie haben sie mitgebracht. Deshalb war mir die Osteuropäische Küche schon etwas bekannt.
Doch nicht nur russisch-urkainische Gerichte gibt es in Lviv, sondern auch österreichischen Strudel und die Kaffeehauskultur, welche sich die Menschen damals von den Wienern abguckten. So vergeht die Zeit schnell. Hier im Café ein Tee mit Strudel, Vanillesauce und Eis; dort im Restaurant ein paar Wareniki, eins von vielen lokalen Bieren und am Ende noch einen Honigwodka. Es lässt sich aushalten. Außerdem gibt es wunderbare Themenrestaurants. Direkt gegenüber vom Rathaus, von dessen Turm man einen guten Blick über die Stadt hat, befindet sich zum Beispiel ein Restaurant, das wie ein Partisanenlager gestaltet ist. An den Wänden hängen Maschinengewehre. Anfassen erlaubt. Bevor man jedoch eintreten will, muss man „Slava Ukraina“ sagen, was so viel bedeutet wie „Ehre der Ukraine“. Die ukrainischen Partisanen kämpften, anders als die belarussischen, nicht nur gegen die Nazis, sondern auch gegen die Sowjets. Noch heute sind die Russen und die russische Sprache sehr unbeliebt in der Region um Lviv. Die Speerspitze der Antirussischen und nationalistischen Bewegung ist die Partei „Svoboda“. Sie konnte in den letzten Jahren mehrere Wahlerfolge erzielen und sitzt auch im ukrainischen Parlament. Bei den Parlamentswahlen erhielt sie 10,4 Prozent. Von der Programmatik her wird sie sogar als nationalsozialistisch beschrieben.
Es gibt aber auch noch andere Restaurants zu entdecken. Wer sich traut kann zum Beispiel ins SM-Café gehen, ich habe es nicht gemacht. Oder in noch einige andere. Sehr zu empfehlen ist auch der Besuch bei der Schokoladenmanufaktur, dort wird Schokolade nur per Hand hergestellt und man kann sogar zugucken wie das passiert.
Feiern gehen kann man übrigens auch ganz gut. Ich war an einem Abend in einem Club, der früher mal ein Theater war.
In der Innenstadt sind viele Häuser inzwischen restauriert, etwas weiter draußen kann man jedoch noch den richtigen Ostblock-Charme erleben, dort wo der Putz bröckelt, sich keine Luxusläden befinden und am Abend auch mal das Straßenlicht nicht funktioniert. Erst in den etwas ranzigeren Gebieten wird Osteuropa zum Abenteuer, wenn der Heimweg von der Disco durch solche Gebiete führt.

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