Erklommen: Die zweithöchste Düne Europas auf der Kurischen Nehrung im Winter

Erklommen: Die zweithöchste Düne Europas auf der Kurischen Nehrung im Winter
Fischerhäuser in Nida.

Fischerhäuser in Nida.

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 4

Geplant war zur Mittagszeit mit der Fähre vom Hafen in Klaipeda hinüber zur Kurischen Nehrung zu fahren und dann mit dem Minibus bis nach Nida, doch es kam mal wieder anders. Zusammen mit etwa acht anderen Passagieren fuhr ich mit der kleinen Fähre vom alten Hafen in Klaipeda rüber zur Kurischen Nehrung. Die Fahrt dauert nur knappe fünf Minuten. Dort angekommen gehe ich zu einem schon wartenden Minibus. Im Internet-Fahrplan stand, dass der Bus wenige Minuten nach Ankunft der Fähre nach Nida fahren würde. Doch der Busfahrer erklärte mir, zwei Frauen und einer Mutter mit Kind, dass er erst in zwei Stunden fahren würde. Also schnell zurück zur Fähre, denn im Winter hat kein Kiosk am Fährterminal geöffnet. Ein neues Ticket muss ich zum Glück nicht kaufen, da das Hinfahrtticket auch für die Rückfahrt gilt. Jetzt heißt es die Zeit totschlagen. Ich gehe ein wenig Spazieren und setze mich in ein Café, ein heißer Kakao wärmt mich wieder auf. Es ist kalt draußen, so um die -15°C.

Auf dem Gipfel der Düne.

Auf dem Gipfel der Düne.

Zwei Stunden später versuche ich wieder mein Glück, kaufe erneut ein Fähren-Ticket, was zum Glück nur umgerechnet 2€ für Studenten kostet und schippere noch einmal rüber zur Kurischen Nehrung. Dann schnell zum Bus. Pünktlich und voll besetzt fährt der Bus um 14:15Uhr ab. Auf einer schmalen Landstraße fährt er in schnellem Tempo in Richtung Nida. Es sieht teilweise sehr gefährlich aus, wenn die Straße so glitzert und der Bus in eine enge Kurve biegt oder ein Auto auf der engen Straße entgegenkommt. Die Landschaft ist unter Schnee bedeckt, viele Bäume beugen sich unter der Schneelast. Hin und wieder sind das Kurische Haff auf der einen oder das Meer auf der anderen Seite zu sehen. Zwischendurch hält der Bus immer wieder an einer kleinen Ansammlung von Häusern.

Der Blick von der Düne in Richtung Kurisches Haff.

Der Blick von der Düne in Richtung Kurisches Haff.

Als der Bus endlich in Nida ankommt ist es bereits kurz nach 15Uhr. In zwei Stunden fährt der Bus zurück zum Fährterminal. Zum Glück ist die Touristeninformation gleich neben der Bushaltestelle an der ich angekommen bin. Deutsch spricht die nette junge Frau dort nicht, aber dafür fließend Englisch. Neben einer Karte von Nida bekomme ich auch gleich ein kleines Infoheft und eine Karte von Litauen in die Hand gedrückt. Mein erstes Ziel ist die Große Düne, die sich im Westen des kleinen Ortes auftürmt. Sie ist die zweithöchste Düne Europas. Ich laufe durch den Ort und sehe viele „Zu Vermieten“-Schilder, auf Deutsch, an den niedlich bunten Fischerhäusern. Der Weg hinauf gestaltet sich schwieriger als gedacht, nachdem ich aus dem Ort raus bin. Zwar gibt es eigentlich einen Pfad hoch, den man eigentlich nicht verlassen darf, doch an irgendeiner Stelle bin ich davon abgekommen. Der Wind weht stark und verweht jede Spur im Schnee schon nach kurzer Zeit. Jetzt wird mir auch noch kalt, obwohl ich mich sehr warm angezogen habe. So warm wie nirgendwo sonst. Zwei paar Socken, zwei lange T-Shirts und eine warme Strumpfhose sollten eigentlich die Kälte fernhalten. Ich setze meinen Weg fort. Meine Stiefel sinken immer wieder in einer Mischung aus Sand- und Schneewehen ein. Nachdem ich oben angekommen bin, schweift mein Blick vom Kurischen Haff über die vielen Bäume, welche die Kurische Nehrung bewachsen, hinüber zum Meer und zurück. Ein wunderbarer Anblick einer scheinbar magischen und einzigartigen Naturlandschaft. Atemberaubend. Leider kann ich diesen Anblick nur kurz genießen, denn es wird langsam dunkel und ich will noch mehr von Nida sehen.
Den Weg runter von der Düne kann ich zum Glück auf dem vorgesehenen Pfad machen, der Treppenstufen hat, aber auch die sind teilweise nicht mehr sichtbar, unter Schnee und Sand begraben. Vorbei an Ferienwohnungsanlagen aus den 90-ern und den bunten Fischerhäusern geht es zum nächsten Ziel, dem Leuchtturm. Anschließend am zugefrorenen Haff entlang zum Sommerhaus von Thomas Mann. Leider ist heute Montag, deshalb hat das Museum geschlossen. Zeit dafür hätte ich aber eh nicht gehabt, denn ich muss schon wieder zurück zum Bus. Dass dieses kleine Örtchen früher Deutsch war ist ihm deutlich anzusehen. Früher hieß es mal Nidden und besaß eine kleine Künstlerkolonie in der sich Maler des Expressionismus niedergelassen hatten. Noch heute steht in Nida eine evangelische Kirche. Für die habe ich aber leider keine Zeit, renne nur an ihr vorbei, um noch den Bus zu bekommen. Zum Glück ist noch ein Platz frei. Auf der Fahrt bemerke ich immer wieder Schilder, die darauf hinweisen, dass die Europäische Union an dieser Stelle Geld für Landschaftsschutzmaßnahmen ausgegeben hat. Dies ist auch nötig, denn noch heute wandern die Dünen hier und würden ohne Gegenmaßnahmen die Orte mit Sand begraben, wie sie es früher taten. Auf der Rückfahrt wird mir bewusst wie groß die Europäische Union eigentlich ist. Ich frage mich wie viel ich noch erleben werde, auf dieser Reise durch Nordwesteuropa und wie unterschiedlich die einzelnen Länder wirklich sind. Eigentlich ist dies erst der Beginn einer spannenden Reise und trotzdem habe ich schon eine Menge erlebt.

Das Sommerhaus von Thomas Mann.

Das Sommerhaus von Thomas Mann.

Typisch für Nida aber eigentlich aus Holz: Windanzeiger

Typisch für Nida aber eigentlich aus Holz: Wetterfahnen.

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