Beobachtet – Arrangierte Ehe im 21. Jahrhundert, oder: Ein Amerikaner auf Frauensuche in Odessa

Beobachtet – Arrangierte Ehe im 21. Jahrhundert, oder: Ein Amerikaner auf Frauensuche in Odessa
Keine ukrainische Frau, aber auch schön: Die Säulenhalle am Hafen.

Keine ukrainische Frau, aber auch schön: Die Säulenhalle am Hafen.

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 13

Nach einem langen Stadtrundgang durch Odessa, will ich mich an einer Tasse Tee aufwärmen. In der Nähe des Opernhauses sehe ich ein nettes Café. Es sieht relativ schick aus, aber die Preise sind in Ordnung. Ich gehe durch den Laden, finde erst keinen freien Platz. Nur im Raucherbereich sind noch freie Plätze. Dann steht ein Pärchen gerade auf und geht. Ich nehme ihren Tisch ein und bestelle beim Kellner ein Stück Apfelstrudel mit Vanilleeis und heißer Vanillesauce. Dazu ein Kännchen Grüner Tee. Wenn schon, denn schon, denke ich mir. Man muss sich nach dem langen Spaziergang auch mal was gönnen.
Sofort werde ich jedoch auf eine Dreier-Gruppe bestehend aus einem Mann und zwei Frauen aufmerksam. Sie sitzen schräg gegenüber von mir und ich kann sie gut beobachten, auf Grund der Musik aus den Boxen aber leider nicht alles verstehen. Schnell wird mir klar, dass der Mann aus den USA kommt und die Frauen Ukrainerinnen sind. Er spricht auf Englisch und eine der Frauen übersetzt ins Russische. Ich bin also in der glücklichen Lage, ähnlich wie die Dolmetscherin das Gespräch in all seinen Facetten zu verstehen. Vor allem weiß ich was die Braut beziehungsweise der Bräutigam in spe wirklich sagen, bevor es übersetzt wird.
Er scheint wohl viel geschäftlich unterwegs zu sein, verbringt wenig Zeit zu Hause. Gekleidet ist er etwas konservativ, so als käme er aus einer Stadt im Mittleren Westen wo es keine modernen Kleidungsgeschäfte gibt, sondern nur Wal Mart. Aber er sieht nicht creepy aus oder so wie man sich einen verzweifelten Mann auf Brautschau in der Ukraine vorstellt oder aus dem Fernsehen kennt. Dennoch entwickelt sich kein wirkliches Gespräch zwischen den beiden.
Nach einer Weile geht sie auf Toilette und er beginnt mit der Dolmetscherin zu reden, ja eigentlich schon zu flirten. Anscheinend war er nicht in der Lage seiner Verabredung selber zu sagen, dass er glaubt das die beiden nicht zusammen passen. Zumindest findet er sie nicht hübsch genug, zu klein und auch zu schweigsam. Als sie wieder zurückkommt, übersetzt ihr die Dolmetscherin was der Amerikaner gesagt hat. Sie wiederum wollte ihn auch nicht, sie könne sich nicht vorstellen die ganze Zeit alleine zu wohnen und das ihr Ehemann die ganze Zeit unterwegs ist. Tja, das war die kleine Geschichte von der Brautschau in Odessa. Ob der Amerikaner eine andere Frau gefunden hat in Odessa? Ich glaube nicht.
Insgesamt ist dies kein Einzelphänomen, dass westliche Männer nach Osteuropa oder Russland kommen um ihre Traumfrau zu finden. Meist geschieht das über eine Agentur oder über ein Internet-Portal, von beidem gibt es ziemlich viele. Wer Ukraine + Frau bei Google eingibt, wird fündig. Als Ergänzung schlägt Google übrigens gleich als erstes das Wort „kaufen“ vor. Es ist ein relativ perverses System, meiner Meinung nach. Einerseits wird die dortige Armut von westlichen Männern ausgenutzt, anderseits sind viele der ukrainischen, russischen oder belarussichen Männer auch nicht für ihre feinen Manieren bekannt. Ob die westlichen Männer, die es nötig haben dorthin zu fahren, allerdings wirklich besser sind, steht auf einem anderen Blatt.
Ja, die Ukrainerinnen, Belarussinnen und auch Russinnen sind oft extrem hübsch, aber sie haben oftmals auch andere Vorstellungen vom Leben und wollen eigentlich keine fetten Männer heiraten. Die gibt es auch dort. Was es in diesen Ländern oftmals zu wenig gibt sind gebildete, gut aussehende, nicht übermäßig trinkende und vor allem alleinstehende Männer mit einem guten Charakter. Die Konkurrenz unter den Frauen ist extrem hart, weshalb viele Frauen so aussehen als würden sie in einen Club gehen oder zu einer Modenschau, anstatt in die Uni oder zur Arbeit. Vielen meiner Kommilitoninnen würden in Deutschland zahlreiche Menschen hinterher gucken oder zumindest große Augen machen, hier in Belarus ist das ganz normal. Nur ziemlich selten ziehen Frauen hier Blicke auf sich auf Grund ihres schönen Aussehens.

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