BATE gegen Goliath

BATE gegen Goliath

Der Rekordmeister aus Belarus gegen den Rekordmeister aus Deutschland. Ein vermeintlich ungleiches Duell. Doch der in Westeuropa fast völlig unbekannte Fußballverein BATE Borisov aus einer kleinen Provinzstadt nordöstlich von Minsk bezwang vor drei Wochen Bayern München völlig überraschend 3:1. Zuvor gewannen sie schon in Lille ebenso 3:1. In München und Lille wird man sich vermutlich noch etwas länger an den Verein erinnern. Die letzten sechs Jahre wurde der ehemalige Werksverein des Automobil- und Traktor-Elektronik Zulieferers in Folge belarussischer Meister.

Ein eigenes Stadion, das den UEFA-Regeln für Champions League Gruppenspiele entspricht, besitzt der Verein nicht. Deshalb werden die Champions League Heimspiele im größeren Dinamo-Stadion in Minsk ausgetragen. Dieses liegt mitten in der Stadt und kann theoretisch 40.000 Zuschauer fassen. Praktisch jedoch ist der Oberrang meist gesperrt beziehungsweise nur von wenigen Sicherheitskräften besetzt. Die teuersten Tickets für ein Champions League Spiel kosten umgerechnet rund 18€.

Am 23.10. fand das Heimspiel gegen den Valencia statt. Wie ein römisches Kolosseum steht das Stadion am Rand der Innenstadt. Geprägt von sowjetischer Architektur gibt es an jeder Ecke des Stadions einen riesigen Flutlichtstrahler. Sie wirken mächtig, fast ein klein wenig zu groß geraten. So als wenn das Stadion eigentlich größer geplant war, aber kleiner gebaut wurde und man vergessen hat die Masten auch eine Version kleiner zu bauen. Vor dem Stadion gibt es mehrere kleine Verkaufsstände die Fan-Utensilien verkaufen. Das wahrscheinlich beliebteste Utensil dürfte der Schal sein, schließlich ist es kalt hier und ein Fanschal relativ günstig. Ein Fantrikot haben fast nur die Ultra-Fans an. Ihr Block ist komplett gelb-blau durch die Trikots, aber auch nicht sehr groß. In der Mitte der ersten Halbzeit entrollen sie ein Banner, auf dem etwas im Graffiti-Stil gesprüht ist, was genau ließ sich jedoch nicht von meinem Sitzplatz erkennen.

Angefeuert wird der Verein meist mit lauten „BATE Borisov“ Rufen. Dabei ruft dies zuerst die Kurve in der auch die Ultras sind. Anschließend antwortet der Rest des fast ausverkauften Stadions. Immer wieder geht auch eine Welle durch das Stadion. Hin und wieder mal aufzustehen ist ganz gut, denn mit der Zeit wird es beim Nieselregen auf den Plastiksitzen kalt. Die einzige organisierte Choreografie die es im ganzen Stadion gibt, sind verteilte Plastiktüten in den Vereinsfarben gelb und blau, die je einem Block zugeordnet sind und hin und wieder mal hochgehalten werden. Ähnlich wie in Deutschland sind die Ultras der lauteste Block. Rund um den Zaun zwischen Spielfeld und Tribünen stehen Soldaten. Vor jedem zweiten Block ein Mann in ziviler Kleidung und einer Kamera auf einem Stativ. Für wen sie arbeiten ist nicht zu sehen. Die Ultras werden von Bereitschaftspolizei „bewacht“ und die ganze Zeit über gefilmt, diese Praxis könnte sich die Miliz bei ihren Trainings in Deutschland abgeschaut haben, wo sie gelernt hat wie die Polizei bei sportlichen Großereignissen vorgeht.

In der 46. Minute fällt dann durch einen umstrittenen Elfmeter das 0:1 für Valencia. In die Halbzeitpause gehen nicht nur die Spieler gedrückt. Während der Pause gibt es Popcorn, Chips, Hamburger und Getränke. Der Tee ist aber schon ausverkauft als ich den Stand erreiche.

In der zweiten Halbzeit nutzt Valencia seine Chancen und macht das 0:2 und 0:3. Darüber können sich nur geschätzte 70 mitgereiste Valencia-Fans freuen. BATE konnte über lange Zeit gut mithalten und hatte mehr Chancen, sie jedoch nicht genutzt.

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