Opposition im Gefängnis, Fans im Stadion, Wirtschaft auf Talfahrt

Opposition im Gefängnis, Fans im Stadion, Wirtschaft auf Talfahrt

Valera, das Maskottchen der WM„Alles wird Hockey“ verspricht der Werbespruch eines großen amerikanischen Erfrischungsgetränkeherstellers in weißen geschwungenen Lettern auf rotem Grund. Doch so prickelnd, wie es von vielen Reklametafeln im ganzen Land verkündet wird, geht es Belarus nicht.

Pünktlich zur Eishockey-Weltmeisterschaft wurden knapp 30 Menschenrechtler, Oppositionelle und politische Aktivisten eingesperrt. Die meisten Fans die zur WM gekommen sind, dürften gar nicht mitbekommen haben, dass ausländische EU-Politiker und Menschenrechtsaktivisten gar nicht ins Land einreisen durften, obwohl die Regierung versprochen hat, dass nur ein Ticket für ein Eishockeyspiel nötig sei. Verschwiegen haben sie, dass die Menschen, die schon zuvor auf der so genannten „schwarzen Liste“ standen, nicht einreisen durften. So traf es beispielsweise den EU-Parlamentarier Marek Migalski aus Polen sowie norwegische Jugendliche die Mitglieder der Jugendorganisation der Christdemokraten sind und an der Grenze abgewiesen wurden.

Stattdessen besaufen sich die Fans am Verhältnisweise billigen belarussischen Bier (ausländisches Bier wurde zuvor, für die Zeit der WM, verboten zu verkaufen) und erfreuen sich über die meist weiblichen „Freiwilligen“ in ihren Priorbank/Raiffeisenbank-Jacken, die so etwas wie Englisch sprechen können und ihnen den Weg zeigen.

Nach der WM wird die Wirtschaft von Belarus jedoch auf Talfahrt gehen, dank eines Kredites von zwei Milliarden Euro der russischen Regierung nicht sofort, aber wohl am Ende des Jahres, wenn nicht ein neuer Milliardenkredit gewährt wird.

Der Werbespruch reimt sich im russischen auf „Okay“, doch im Staate Lukaschenkas ist nichts in Ordnung. Die Währungsverfall ist eines der deutlichsten Zeichen in welche Richtung das Land zur Zeit taumelt. Vor einem Jahr bezahlte man Ende Mai noch 136,67€ für 1,5 Mio. belarussiche Rubel, inzwischen sind es nur noch 111,83€. Die Währungsreform ist nur noch eine Frage der Zeit. Eine weitere große Gefahr ist die Übernahme von großen belarussischen Unternehmen durch russische Oligarchen, die dem Kreml nahe stehen, denn dies ist zur Zeit das Prinzip der Hilfe vom großen Bruder. Die russische Regierung gibt Geld und Putins Freunde übernehmen nach und nach belarussische Firmen. Der chronisch klamme Staat ist auf die russischen Rubel angewiesen, denn auf Geld aus Europa kann er kaum hoffen, dafür ist der autoritäre Staat zu isoliert. Ein Dilemma für Präsident Lukaschenka, aus dem er kaum herauskommt, außer er lässt die politischen Gefangenen frei und es gibt erstmals freie Wahlen im Herbst 2015.

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Essen, Trinken und Feiern in Minsk: Where to go?

Essen, Trinken und Feiern in Minsk: Where to go?

In den letzten Jahren hat sich eine kleine Szene von Restaurants und Cafés, abseits der teuren Hotelcafés, gebildet. Besonders für ausländische Gäste, die nur ein paar Tage in Minsk verweilen, dürfte es interessant sein, was die besten Plätze zum Weggehen sind. Hier nun eine Übersicht von Restaurants, Cafés und Clubs.

Restaurants

Typische Deko im Restrant Vasilki. Foto: Vasilki.by

Typische Deko im Restrant Vasilki. Foto: Vasilki.by

Vasilki

Bei dem Restaurant Vasiliki handelt es sich ebenso um eine Kette wie Pizza Tempo, die auch den gleichen Besitzer hat. Das besondere an Vasiliki ist, dass es dort belarussisches Essen gibt. Auch die Dekoration ist sehr belarussisch mit Birkenholz und eher traditioneller Musik.

Wifi: Nein

Adressen: Nesavisimosti pr. 89 (пр-т Независимости, 89); Nesavisimosti pr. 16 (пр-т Независимости, 16); uliza Jakuba Kolasa 37 (ул. Я.Коласа, 37), http://www.vasilki.by/

London

Obwohl direkt am Prospekt Nesavisimosti gelegen, ist dieses Lokal trotzdem leicht zu übersehen. Im London gibt es angeblich das schnellste Wifi in der Stadt. Zu essen gibt es ausschließlich vegetarische Gerichte. Im Sommer ist das London deshalb auch etwas besser zu finden, dann steht eine Art Wintergarten vor der Tür, auf dem „Vegetarian Food“ steht.

Wifi: Ja

Adresse: Nesavisimosti pr. 18 (просп. Независимости, 18)

Pizza Tempo

Von diesem Pizzarestaurant gibt es einige in Minsk. Ich war bei vier verschiedenen Pizza Tempos. Das meiner Meinung nach beste ist in der Nähe von Akademija Nauk. Dieses Restaurant ist ziemlich groß und hat auch Wifi, weshalb ich es dann auch in diese Liste aufnehme. Auf die Pizzen tun sie dort am meisten Gewürze, wie ich vergleichend festgestellt habe.

Wifi: Nur in der Woche

Adressen: uliza Jakuba Kolasa 37 ( ул. Я.Коласа, 37), weitere Restaurants u.a. in der uliza Karla Marksa, http://www.tempo.by

Buvette

Noch relativ neu in Minsk ist das Restaurant Buvette. Hier gibt es ausschließlich Sandwhiches, Salate und Desserts zu essen. Das Ambiente ist rustikal, etwas wie bei Ikea, aber schön. Die Preise sind für die Größe der Sandwhiches absolut angemessen. Sie werden in den Größen L und XL angeboten, wobei ein L Sandwhich für eine Person eigentlich reicht. XL ist die doppelte Größe. Das Buvette liegt im Zentrum in der Nähe der Metro-Station Frunsenskaja

Wifi: Nein

Adresse: uliza Rakovskaja 34 (ул. Раковская, 34), http://buvette.by/

Lido

Eigentlich kommt die Restaurantkette Lido aus Lettland, seit einiger Zeit gibt es sie auch in Minsk. Beide Restaurants sind in der Nähe der Station Ploschtscha Jakuba Kolasa. Das eine wurde erst im letzten Jahr eröffnet, kurz nach dem ich abgereist bin. Beide haben jedoch das gleiche Prinzip der Selbstbedienung. Mit seinem Tablett geht man rum und füllt sich das (russische) Essen auf und geht am Ende zur Kasse. Fettig aber lecker!

Wifi: Nein

Adresse: Nesavisimosti pr. 49 (пр-т Независимости, 49); uliza Kulman 5a (улица Кульман, 5А), http://www.lido.by/en/

Cafés

Nur zum empfehlen: Die Ў Bar und Galerie. Wer nicht ganz so typische Mitbringsel aus Belarus erstehen will, wird hier ebenfalls fündig. Foto: baltictaste.by

Nur zum empfehlen: Die Ў Bar und Galerie. Wer nicht ganz so typische Mitbringsel aus Belarus erstehen will, wird hier ebenfalls fündig. Foto: baltictaste.by

Ў Galerie / Bar

Neben einer Galerie für Kunst gibt hier außerdem noch eine Bar mit leckeren Sandwhiches und Salaten, eine große Auswahl an Rotwein, leckeren Tee, selbstgemachte Limonade sowie einen Buch- und Geschenkeladen. An diesem Ort wird darauf Wert gelegt belarussisch zu sprechen. Der Buchstabe Ў ist einzigartig und kommt außer im Belarussichem nur noch in der usbekischen und karakalpakischen Sprache vor. Da diese aber nur noch in lateinischer Schrift geschrieben werden, gibt es das Ў nur noch in der belarussischen Schriftsprache. Er steht deshalb auch stellvertretend für die belarussische Sprache. Im Buchladen gibt es neben Büchern auf belarussich auch Übersetzungen aus dieser Sprache ins Deutsche. Es gibt auch belarussiche Musik, meist Folk, zu kaufen. Im Geschenkeladen gibt es T-Shirts, Aufkleber, Seifen und vielerlei anderen Kram. In das Café kommen auch viele Ausländer. Der Tee ist sehr günstig; die Sandwhiches und Salate sind sehr zu empfehlen. Das Café liegt in einem Hinterhof, ist also nicht ganz so leicht zu finden.

Wifi: Ja

Adresse: Nesavisimosti pr. 37a (пр-т Независимости, 37a), http://en.ygallery.by/

Coffeeberry

Schräg gegenüber vom pinken Kino „Pobeda“ liegt das bisher, meinem Wissen nach, einzige Coffeeberry Café. Das Publikum ist meist schick angezogen und die Preise sind sehr europäisch. Es gibt viele Kaffee- und Teesorten sowie diverse andere Getränke. Seit neustem gibt es auch gefrorenen Joghurt. Kuchen und allerlei kleines Gebäck gibt es auch. Das Wifi ist sehr schnell.

Wifi: Ja

Adresse: uliza Internazionalnaja 5 (улица Интернациональная, 5)

Serno

Zwischen den Metro-Stationen Ploschad Pobeda und Jakuba Kolasa am Prospekt Nesavisimosti befindet sich das Selerno. Die Preise sind europäisch, aber der Tiramisu ist sehr lecker. Das Publikum ist eher jung und internetaffin. Es gibt Wifi und viele der Besucher nutzen es auch ausgiebig.

Wifi: Ja

Adresse: Nesavisimosti pr. 46 (пр-т Независимости д. 46)

Coffeebox

Die Café-Franchisekette „Coffee Box“ ist noch relativ neu in Minsk, an acht verschiedenen Standorten gibt es sie aber inzwischen schon. Das Publikum sind meist Teenager. Es gibt aber ein schwarzes Brett, auf dem oft interessante Veranstaltungen angekündigt werden. Ich habe es mit in die Liste aufgenommen, weil es dort Wifi gibt und die Atmosphäre eigentlich meist auch ganz nett ist.

Wifi: Ja

Adresse: Unter anderem in der Einkaufspassage Staliza im Zentrum, http://www.coffeebox.by/nash-adres

Dom Fischera

Im ersten Anti-Café von Minsk wird nicht für den Verzehr bezahlt, sondern für die Zeit die man dort verbringt. Es gibt Gesellschaftsspiele, Computerspiele, Bücher, Tee, Kaffee und Kekse. Hier kann man viele nette Leute, vor allem aus dem Kreativbereich und der Internetbranche, treffen.

Wifi: Ja

Adresse: Nesavisimosti pr. 84a (пр-т Независимости д. 84a)

Clubs

Eine belarussische Punkband im Club Republic. Foto: Jan-Henrik Wiebe

Eine belarussische Punkband im Club Republic. Foto: Jan-Henrik Wiebe

Republic

Der Club Republic ist nicht weit von der Metro-Station Kunzevschtina (Кунцевщина)‎ entfernt. Es ist eigentlich mehr ein Konzertraum mit einer großen Bühne als ein echter Club. Die meisten Veranstaltungen sind deshalb Konzerte. Meist sind es Bands aus dem Hip-Hop-Alternative-Punk-Indie-Metal-Bereich. Hier tummelt sich deshalb meistens auch eher alternatives Publikum. Man muss sich hierfür nicht schick machen um reinzukommen.

Wifi: Nein

Adresse: uliza Prityzkowo 62 (ул. Притыцкого, 62), http://republic-club.by/

Graffiti

Versteckt in einem schnöden Bürohaus am Rand der Minsker Innenstadt liegt der kleine Club “Graffiti”. Wer vor dem Haus steht, ahnt nicht, dass sich hier die kleine alternative Szene der Stadt trifft. Im Club sind die Wände mit Graffitis verziert. Ein paar Besucher haben Dreadlocks und auch insgesamt unterscheidet sich der Kleidungsstil von den Menschen die in der Innenstadt zu sehen sind. Fast jeder schein hier jeden zu kennen. Der winzige Club ist schnell voll, aber es passen auch nur ca. 50-80 Menschen rein. Hier gibts garantiert keinen Mainstream.

Wifi: Ja

Adresse: per. Kalinina 16 (пер. Калинина, 16), http://www.graffiti.by/

Loft Café

Ein Ort wo man reiche und schöne Menschen, aber gleichzeitig auch viele Studenten trifft. Tagsüber Café, in der Nacht ein Club. Die Getränke sind teuer, das Ambiente aber ganz nett. Von der Metro-Station Ploschtscha Jakuba Kolasa sind es etwa 10-15 Minute zu Fuß bis zum Loft Café. Es ist etwas abseits, am Rande eines Industriegebietes, Touristen die sich noch nicht so gut auskennen in der Stadt und kein Russisch können, würde ich ein Taxi dorthin empfehlen.

Wifi: Ja

Adresse: uliza P. Brovki 22 (ул. П. Бровки, 22), http://loftcafe.by

Doodah King Bar

Die direkt unter dem Wirtschaftsministerium liegende Bar hat eine große Karte mit vielen Spirituosen. Es gibt auch Essen. Öfters finden hier auch Konzerte statt. Publikum und Atmosphäre waren immer sehr angenehm.

Wifi: Nein

Adresse: uliza Bersona 14 (ул. Берсона, 14), http://doodahking.by/

TNT Rock Club

Hier gibt es fast jeden Abend Live-Auftritte von nationalen und internationalen Bands verschiedener Rock-Musikrichtungen. Das Bier ist teuer, aber die Musik ist meist gut. Das Publikum eher älter und nicht soo fancy.

Wifi: Nein

Adresse: uliza Revoluzionaja 9 (ул. Револуционая, 9), http://tntrock.by/en/

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Wie komme ich nach Minsk zur Eishockey-Weltmeisterschaft?

Wie komme ich nach Minsk zur Eishockey-Weltmeisterschaft?
Die Minsk-Arena kann bis zu 15.000 Zuschauer fassen.

Die Minsk-Arena kann bis zu 15.000 Zuschauer fassen.

Für alle Eishockeyfans und alle anderen die schon immer gerne nach Minsk wollten, habe ich hier mal eine kleine Anleitung zusammengestellt, was sie beachten sollten, wenn sie nach Belarus zur Weltmeisterschaft reisen wollen. Alle wichtigen Fragen werden geklärt: Wo gibt es günstige Tickets? Brauche ich ein Visum? Wie sicher ist die Stadt? Wie komme ich dahin und wo kann ich übernachten?

Eintrittskarten

Wer nicht teuer über eine Agentur seine Eintrittskarte kaufen will, kann dies über Ticketpro.by machen, einer belarussischen Website die ähnlich wie Eventim.de ist. Es gibt auch E-Tickets die einfach mit der Kreditkarte bezahlt werden und dann zu Hause ausgedruckt werden können. Die Seite ist eigentlich sehr sicher und vertrauenswürdig. Leider ist nicht alles übersetzt worden. Wer kyrillische Buchstaben lesen kann ist im Vorteil. Zur Not einfach Google-Translator benutzen.

Visum

Normalerweise brauchen Besucher die nach Belarus kommen wollen ein Visum und dafür eine Einladung. Zur Eishockey-WM wurde diese Regel allerdings ausgesetzt. Bedingung ist jedoch, dass man ein Original- oder E-Ticket besitzt und den Grenzbeamten vorzeigen kann. Diese Regel gilt vom 25. April bis 31. Mai 2014. Angeblich soll in der Zeit auch die Regelung mit der Pflicht-Krankenversicherung, die jeder EU-Bürger bei der Einreise sonst abschließen muss, ausgesetzt sein.

Anreise

Auto

Von Berlin sind es mit dem Auto etwa 1100 Kilometer. Neben den Spritkosten kommen in Polen auch noch Kosten für die Autobahnmaut hinzu. In Polen ist die Autobahn von der deutsch-polnischen Grenze bis Warschau in einem sehr guten Zustand und mindestens auf deutschen Standard. Noch etwas komplizierter ist es in Belarus, wo es seit dem 1. August 2013 ein Mautsystem für einige Straßen gibt. Alle Autofahrer aus EU-Ländern müssen sich dafür bei Beltoll ein Gerät für 25 Euro kaufen. Das System funktioniert ähnlich wie das deutsche Mautsystem von Toll Collect. Die Straßen in Belarus sind in Ordnung, aber nicht so gut wie die Autobahnen in Deutschland. Es ist im allgemeinen eher abzuraten mit dem Auto einzureisen.

Bahn

Von Berlin nach Minsk gibt es alle paar Tage eine Direktverbindungen nach Minsk. Die Fahrt dauert dann “nur” 17 Stunden. Wer die Möglichkeit hat, sollte diese Verbindung nehmen. Alle anderen Verbindungen dauern teilweise 40 Stunden, sind sehr kompliziert oder eigentlich kaum möglich. Nur die Verbindung über Prag, mit einem Umstieg, ist ebenfalls noch zum empfehlen. Eine Zugfahrt von Berlin nach Minsk kostet etwa 120 Euro.

Bus

Die wahrscheinlich günstigste Variante, außer man fährt per Anhalter, ist der Bus. Es gibt sowohl Direktverbindungen, die etwas teurer sind als die sehr preisgünstige Variante über Vilnius, Litauen. Aus eigener Erfahrung kann ich nur empfehlen über Vilnius zu fahren. Mehrere Anbieter fahren teilweise mehrmals täglich vom Berliner ZOB dorthin: Ecolines (ca. 32,30€), Simple Express (36€) oder Eurolines (ca. 65€). Ich kann von diesen drei Anbietern Ecolines und Simple Express empfehlen, da sie die besten Busse, guten Service und meist auch WLAN im Bus haben.

Von Vilnius kann man ebenfalls mit Ecolines fahren. Diese Fahrt kostet noch mal ca. 13 Euro. Falls Ecolines ausgebucht ist, kann man spontan am Busbahnhof nach weiteren Bussen fragen und sich vor Ort ein Ticket kaufen. Falls auch dies nicht mehr möglich ist kann man einfach in den Bahnhof gehen, der neben dem ZOB ist, und sich dort ein Zugticket kaufen. Pro Tag gibt es mehrere Züge von und nach Minsk. Die Zugfahrt kostet bei später Buchung rund 20 Euro.

Flugzeug

Direktflüge aus Deutschland und Österreich nach Minsk gibt es mit Belavia aus Berlin, Hannover, Frankfurt am Main und Wien, sowie mit Lufthansa aus Frankfurt/Main. Lufthansa ist in der Regel günstiger als Belavia. Anonsten fliegt seit kurzem auch Air Baltic von Riga aus nach Minsk. Diese Verbindung sollte man auch beachten, da sie meist eine der günstigsten ist. Vom Flughafen kann man entweder mit dem Taxi oder mit dem Bus in die Stadt fahren. Taxi ist teurer, besonders für Ausländer. Dem Busfahrer sollte man “Zentralny Voksal” sagen, falls er kein Englisch spricht. Dann landet man am ZOB, mitten im Stadtzentrum.

Sicherheit

Im autoritär regierten Belarus muss man sich in der Regel keine Sorgen machen. Minsk ist eine sehr sichere Stadt in der viele Soldaten und Polizisten auf den Straßen zu sehen sind. Es ist abzuraten bei Konflikten mit der Polizei Schmiergeld zu zahlen, außer sie machen einem sehr deutlich, dass sie welches haben wollen (ich hatte während meiner 9 Monate im land nie Probleme, ich habe sie meist als freundlich und hilfsbereit wahrgenommen). Die Polizei ist nicht so korrupt wie in Russland. Illegale Drogen sollte man in diesem Land weder besitzen noch konsumieren, die Strafen dafür sind relativ hoch. In der Nacht sollte man sich auch nicht alleine als Ausländer auf einen Spaziergang durch die entlegeneren Ecken von Minsk begeben. Es ist aber nicht so gefährlich wie wenn man als ein Schwarzer durch Berlin-Lichtenberg geht, trotzdem sollte man vorsichtig sein. Vor Nazis und Hooligans, anders als in Moskau oder St. Petersburg, muss man sich nicht fürchten, die gibt es zum Glück kaum. Homosexuelle sollten ihre Neigung nicht in der Öffentlichkeit zeigen, die Menschen sind in dieser Beziehung nicht so tolerant wie in Deutschland. Wer ein belarussisches Gefängnis oder Polizeistation von innen sehen will, sollte eine weiß-rot-weiße Fahne mitbringen, die Fahne der Opposition ;-)

Übernachtung

Neben den vielen teuren Hotels die es überraschenderweise in Minsk gibt, kann ich nur empfehlen Couchsurfing zu machen. Dabei lernt man nette Menschen aus Belarus kennen und erfährt viel über das Land. Ansonsten gibt es Hotels von 50 bis 4000€ pro Nacht oder das “Fan-Village” mit Preisen von 10-30 Euro pro Nacht. Die Couchsurfing-Community ist mit über 12.000 Leuten sehr groß. Wer also schon Erfahrungen im Couchsurfing hat, keine Probleme auf einer schmalen Couch zu schlafen oder sich ein Zimmer zu teilen hat, dem kann ich nur empfehlen das zu machen. Die Couchsurfer die ich kennengelernt habe sind alle super nett und sehr interessiert an anderen Ländern, Sprachen und Kulturen. Eine weitere Möglichkeit ist airbnb, da gibt es ganze Appartments, Zimmer oder Gemeinschaftszimmer in verschiedenen Preisklassen zu mieten. Bis jetzt scheint auch noch eine Menge frei zu sein (Stand: 02.01.14).

Mehr Informationen: Wikitravel, Offizielle Homepage Minsk 2014, Deutsche Botschaft in Minsk, Belarussische Botschaft in Minsk

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Punk ist nicht tot – Impressionen vom Konzert von Дай Дарогу

Punk ist nicht tot – Impressionen vom Konzert von Дай Дарогу

Vor einer Woche war ich am Freitag dem 17.5. auf dem Konzert der belarussischen Band “Дай Дарогу” im Club Republic. Dai Darogu machen Punk-Rock und singen auf Russisch. Die Band kommt ursprünglich aus Brest und ist eine der beliebtesten belarussischen Punk-Bands nach “Ляпис Трубецкой“. Für generation.by habe ich an dem Abend Fotos vom Konzert gemacht.

 

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Gefolgt: Auf den Spuren meiner Ahnen in Lviv

Gefolgt: Auf den Spuren meiner Ahnen in Lviv

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 14 (letzter Teil)

Eigentlich wollte ich nur drei Nächte in Lviv/Lvov/Lemberg, der Stadt mit den vielen Namen, bleiben. Doch der Zufall wollte es so, dass ich noch eine Nacht länger bleibe, denn nach Minsk fahren nicht an jedem Tag Direktzüge. Die ersten beiden Nächte verbrachte ich im Apartment vom Bruder einer Bekannten, die ich ebenfalls von einem Seminar aus Berlin kannte. Die anderen beiden Nächte verbrachte ich in einem Hostel mitten in der Innenstadt.
Dass ich nach Lviv komme, ist kein Zufall. Es ist für mich auch eine Art Reise in die Vergangenheit. Meine Oma und Uroma kommen aus Galizien, der Region um die Stadt. Dort am Rande der Karpaten wechselten die Herrscher öfters, als anderswo in Europa. Mal waren die Österreicher an der Macht, mal die Polen oder Ukrainer. Im 18. Jahrhundert kamen dann viele aus der Pfalz stammenden Familien nach Galizien und gründeten dort deutsche Siedlungen. Sie waren meist Protestanten die sich außerhalb des katholischen Einflussgebietes mehr religiöse Freiheit erhofften. Vor allem aber bekamen sie dort kostenlos Land, welches viel größer war als das was sie in der Pfalz besaßen. Wegen des Hitler-Stalin-Paktes wurden sie nach Polen umgesiedelt, wo vorher polnische Bauern vertrieben wurden. Am Ende des Zweiten Weltkrieges kamen sie als Flüchtlinge zurück nach Deutschland, verstreuten sich über das Land. Meine Uroma und Oma sprachen, als meine Uroma noch lebte, meist in schwäbischem Dialekt miteinander. Auch russisch-ukrainische Gerichte wie Borscht, Wareniki und Golepzie haben sie mitgebracht. Deshalb war mir die Osteuropäische Küche schon etwas bekannt. Read the rest of this entry

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Schöner schießen in Mogiljow

Schöner schießen in Mogiljow

Da ich inzwischen schon Vitebsk, Grodno und Brest war, fehlte mir an größeren Städten nur noch Mogiljow. Nach Gomel schaffe ich es wahrscheinlich nicht mehr. Das besondere an der Stadt im Osten des Landes: Sie hat eine Fußgängerzone. Diese ist quasi das Highlight der Stadt. In ihr gibt es alles was man so braucht: Restaurants, Cafés, Geschäfte und zwei Schießstände. Ja, richtig, Schießstände an denen Passanten, wenn sie gerade Lust haben zu schießen, ein paar Runden mit dem Luftgewehr schießen können. In Minsk habe ich noch keine gesehen. Anscheinend sind die Menschen in Mogiljow mehr trigger happy als in Minsk. Um das ganze abzurunden fährt eine Bimmelbahn, wie man sie aus Freizeitparks kennt, durch die Straße.

Wer im Sommer in die Stadt kommt, sollte unbedingt ein Anti-Mückenspray mitnehmen. Ich tat es nicht und hatte innerhalb kürzester Zeit einige Stiche auf den Armen. Aber ich glaube mich mögen sie auch besonders gern.

Am Ufer des Flusses Dnepr, der die Stadt teilt, befindet sich ein alter Freizeitpark aus Sowjetzeiten, der ein schönes Fotomotiv ist. Im Bauch des Flugzeuges was dort steht gibts übrigens auch einen Schießstand. Ich konnte nicht wiederstehen und habe dann mal gleich das Kalaschnikow-Luftgewehr ausprobiert. Leider nur Luftgewehr. Ein wirklich schönes Gefühl! ;) So müssen sich die Mogiljower auch fühlen, wenn sie nach, vor oder während des Einkaufsbummel in der Fußgängerzone am Schießstand eine Runde schießen. Sehr befreiend! Ganz in der Nähe des Parks ist die Eishalle, in der ich auch war. Zu dem Zeitpunkt hat gerade eine Jugendmannschaft gespielt. Da es an dem Tag sehr heiß war, fast 30°C, bot die Eishalle einen angenehmen Ort der Erfrischung.

Hier nun ein paar fotografische Eindrücke aus Mogiljow.

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Fotos vom Tag des Sieges in Minsk am 9. Mai

Fotos vom Tag des Sieges in Minsk am 9. Mai

In den Staaten der ehemaligen Sowjetunion wird der Tag des Sieges traditionell am 9. Mai gefeiert und ist selbstverständlich auch in Belarus ein offizieller Feiertag. Die Parade habe ich leider verpasst, aber es gibt ja auch noch mehr zu sehen an so einem Tag. Hier ein paar Eindrücke aus Minsk. Laut meinen Freunden gab es dieses Jahr sogar eine Besonderheit: Die Sowjetflagge wurde wieder gehisst. Leider habe ich auch die Rede von Präsident Lukashenko verpasst…

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Beobachtet – Arrangierte Ehe im 21. Jahrhundert, oder: Ein Amerikaner auf Frauensuche in Odessa

Beobachtet – Arrangierte Ehe im 21. Jahrhundert, oder: Ein Amerikaner auf Frauensuche in Odessa
Keine ukrainische Frau, aber auch schön: Die Säulenhalle am Hafen.

Keine ukrainische Frau, aber auch schön: Die Säulenhalle am Hafen.

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 13

Nach einem langen Stadtrundgang durch Odessa, will ich mich an einer Tasse Tee aufwärmen. In der Nähe des Opernhauses sehe ich ein nettes Café. Es sieht relativ schick aus, aber die Preise sind in Ordnung. Ich gehe durch den Laden, finde erst keinen freien Platz. Nur im Raucherbereich sind noch freie Plätze. Dann steht ein Pärchen gerade auf und geht. Ich nehme ihren Tisch ein und bestelle beim Kellner ein Stück Apfelstrudel mit Vanilleeis und heißer Vanillesauce. Dazu ein Kännchen Grüner Tee. Wenn schon, denn schon, denke ich mir. Man muss sich nach dem langen Spaziergang auch mal was gönnen.
Sofort werde ich jedoch auf eine Dreier-Gruppe bestehend aus einem Mann und zwei Frauen aufmerksam. Sie sitzen schräg gegenüber von mir und ich kann sie gut beobachten, auf Grund der Musik aus den Boxen aber leider nicht alles verstehen. Schnell wird mir klar, dass der Mann aus den USA kommt und die Frauen Ukrainerinnen sind. Er spricht auf Englisch und eine der Frauen übersetzt ins Russische. Ich bin also in der glücklichen Lage, ähnlich wie die Dolmetscherin das Gespräch in all seinen Facetten zu verstehen. Vor allem weiß ich was die Braut beziehungsweise der Bräutigam in spe wirklich sagen, bevor es übersetzt wird.
Er scheint wohl viel geschäftlich unterwegs zu sein, verbringt wenig Zeit zu Hause. Gekleidet ist er etwas konservativ, so als käme er aus einer Stadt im Mittleren Westen wo es keine modernen Kleidungsgeschäfte gibt, sondern nur Wal Mart. Aber er sieht nicht creepy aus oder so wie man sich einen verzweifelten Mann auf Brautschau in der Ukraine vorstellt oder aus dem Fernsehen kennt. Dennoch entwickelt sich kein wirkliches Gespräch zwischen den beiden.
Nach einer Weile geht sie auf Toilette und er beginnt mit der Dolmetscherin zu reden, ja eigentlich schon zu flirten. Anscheinend war er nicht in der Lage seiner Verabredung selber zu sagen, dass er glaubt das die beiden nicht zusammen passen. Zumindest findet er sie nicht hübsch genug, zu klein und auch zu schweigsam. Als sie wieder zurückkommt, übersetzt ihr die Dolmetscherin was der Amerikaner gesagt hat. Sie wiederum wollte ihn auch nicht, sie könne sich nicht vorstellen die ganze Zeit alleine zu wohnen und das ihr Ehemann die ganze Zeit unterwegs ist. Tja, das war die kleine Geschichte von der Brautschau in Odessa. Ob der Amerikaner eine andere Frau gefunden hat in Odessa? Ich glaube nicht.
Insgesamt ist dies kein Einzelphänomen, dass westliche Männer nach Osteuropa oder Russland kommen um ihre Traumfrau zu finden. Meist geschieht das über eine Agentur oder über ein Internet-Portal, von beidem gibt es ziemlich viele. Wer Ukraine + Frau bei Google eingibt, wird fündig. Als Ergänzung schlägt Google übrigens gleich als erstes das Wort „kaufen“ vor. Es ist ein relativ perverses System, meiner Meinung nach. Einerseits wird die dortige Armut von westlichen Männern ausgenutzt, anderseits sind viele der ukrainischen, russischen oder belarussichen Männer auch nicht für ihre feinen Manieren bekannt. Ob die westlichen Männer, die es nötig haben dorthin zu fahren, allerdings wirklich besser sind, steht auf einem anderen Blatt.
Ja, die Ukrainerinnen, Belarussinnen und auch Russinnen sind oft extrem hübsch, aber sie haben oftmals auch andere Vorstellungen vom Leben und wollen eigentlich keine fetten Männer heiraten. Die gibt es auch dort. Was es in diesen Ländern oftmals zu wenig gibt sind gebildete, gut aussehende, nicht übermäßig trinkende und vor allem alleinstehende Männer mit einem guten Charakter. Die Konkurrenz unter den Frauen ist extrem hart, weshalb viele Frauen so aussehen als würden sie in einen Club gehen oder zu einer Modenschau, anstatt in die Uni oder zur Arbeit. Vielen meiner Kommilitoninnen würden in Deutschland zahlreiche Menschen hinterher gucken oder zumindest große Augen machen, hier in Belarus ist das ganz normal. Nur ziemlich selten ziehen Frauen hier Blicke auf sich auf Grund ihres schönen Aussehens.

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Gesucht: Party im winterlichen Odessa

Gesucht: Party im winterlichen Odessa

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 12

Der Name steht für Party, Alkohol, schöne Frauen und Strand. Aber leider auch für die höchste AIDS-Rate in der Ukraine. Odessa. Schon der Name dieser Stadt verspricht Hedonismus.
Ich bin leider zu früh hier. Mein Hostel ist nur zu einem Viertel belegt und auch sonst ist auf den Straßen wenig los. Wenn, dann sind es ältere russische Touristen welche diese Zeit nutzen um günstig Urlaub zu machen. Nach meiner Ankunft im Hostel ruhe ich mich kurz aus. Dann geht es los nach Arkadia, einem Vorort am Meer, wo viele Diskos sind. Das Party-Viertel von Odessa sozusagen. Vorbei am Stadion und einigen schäbigen Häusern geht es zum Strand. Dort angelangt wandere ich den Weg in Richtung Arkadia entlang. Alles ist tief verschneit, nur der Weg ist zum Glück gut begehbar, der Schnee fast überall festgetreten. Unterwegs komme ich an einer alten Seilbahn vorbei. Sie sieht sehr alt aus, aber scheint noch immer, zumindest im Sommer, in Betrieb zu sein. Read the rest of this entry

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Gefühlt: Warme Herzen und die kalte Strahlung Tschernobyls

Gefühlt: Warme Herzen und die kalte Strahlung Tschernobyls

Winter in Osteuropa. Das klingt kalt. Ist es auch. Ich hatte jedoch Glück mit den Temperaturen und das kälteste dürften -15°C – -20°C gewesen sein. Um das Baltikum und die Ukraine kennenzulernen, war ich vom 10.1. bis zum 6.2.2012 unterwegs. Was ich auf meiner Reise erlebt habe, könnt ihr in dieser Artikelserie lesen.

Teil 11

Kaum betrete ich die Wohnung, werde ich schon umarmt. Ich bin leicht geschockt von der Herzlichkeit die mir hier begegnet. Die Mutter von einer Freundin, bei der ich in Kiew übernachte, ist wirklich eine gute und vor allem herzliche Seele. Sie gibt einem sofort das Gefühl zu Hause zu sein. Maria, meine Bekannte, kenne ich von einem Seminar in Berlin vor einem Jahr. Seit dem hatten wir immer mal wieder Kontakt. Anfang Januar schrieb ich ihr, dass ich durch Osteuropa reise, Ende des Monats auch in die Ukraine komme und fragte ob sie eine Couch für mich frei habe. Kurze Zeit später antwortete sie mir, dass ihre Nachbarn gerade weg seien und dass ich deren Apartment benutzen könnte. Das war natürlich eine großartige Nachricht.
Am ersten Abend gibt es Wareniki/Maultaschen, gefüllt mit Kartoffeln und körnigem Frischkäse, genauso wie ich sie von Zuhause kenne. Da hab ich mich gleich noch mehr heimisch gefühlt. Daheim hat meine Uroma oft solche Teigtaschen gemacht, die aber Berhee genannt wurden. Sie war Deutsche und kam aus Galizien, der Region um Lviv/Lvov/Lemberg. Die Gastfreundschaft ist einfach riesig. Noch nie in meinem Leben habe ich so eine herzliche Gastfreundschaft erlebt. Zu viert sitzen wir in der Küche, neben Maria, ihrer Mutter und mir ist noch eine Tante aus Moskau zu Besuch. Wir reden auf Russisch, nur wenn ich nicht mehr weiter weiß, muss Maria dolmetschen.
Für vier Tage bleibe ich in der Stadt am Fluss Dnepr. Maria muss zum Glück nicht arbeiten und sie kann mir die Stadt zeigen. Neben vielen schönen orthodoxen Kirchen, ich habe in meinem Leben noch nie so viel Gold gesehen, sehe ich die Reste der Pro-Timoschenko Bewegung, die Stadt und das Tschernobyl-Museum.
Der Tag im Museum über das 1986 havarierte Atomkraftwerk ist sehr bedrückend aber auch interessant. In aller Einzelheit erklärt der Audio-Guide wie das Drama seinen Lauf nahm und was danach passierte. Ich frage mich, ob die Exponate noch heute etwas strahlen oder ob alles okay ist. Irgendwie ein beklemmendes Gefühl so nah an allem dran zu sein. Meine Zugfahrt von Vitebsk nach Kiew führte mich schon durch das stark verstrahlte Gebiet von Tschernobyl. Neben vielen Exponaten von damals werden auch die Fehler, welche die Sowjetführung unter Gorbatschow machte, gezeigt. So wurde die Parade zum 1. Mai, wenige Tage nach dem Unglück, nicht abgesagt, obwohl bekannt war das der Wind die atomaren Partikel auch nach Kiew trägt. Viele Frauen und Kinder wurden an diesem Tag wissentlich den Gefahren ausgesetzt und nicht informiert. Dieses dunkle Kapitel von Gorbatschow wird heute von vielen vergessen.

Der Rest der Julia-Timoschenko-Bewegung.

Der Rest der Julia-Timoschenko-Bewegung.

Das Außenministerium der Ukraine.

Das Außenministerium der Ukraine.

Ausstellung im Tschernobyl-Museum.

Ausstellung im Tschernobyl-Museum.

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